Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 92

Bauchlandung

Von Kerstin Schweighfer

AMSTERDAM: MAPPING THE CITY

Das Stedelijk Museum will mit Fotos, Filmen und Zeichnungen zeigen, wie sich Künstler mit dem Thema Stadt beschäftigen - von 1950 bis heute. Nur allzuoft entspricht die Wirklichkeit leider nicht den Ansprüchen - und das gilt auch für "Mapping the City" im Amsterdamer Stedelijk Museum.

Theoretische Basis sind die Begriffe des Flaneurs und des Dérive, die im 19.

Jahrhundert vom französischen Dichter Charles Baudelaire und um 1960 vom Pariser Philosophen und Situationisten Guy Debord geprägt wurden: Beide lassen sich auf der Suche nach neuen Eindrücken ziellos durch die Stadt treiben, der Flaneur alleine als distanzierter Beobachter, der Dérive (von dériver, driften), in kleinen Gruppen, wobei er sich an bestimmte Spielregeln halten und zum Beispiel alle zehn Minuten nach rechts und links abbiegen muss.

Nach diesem Vorbild inszenierten die beiden niederländischen Künstler Wim T. Schippers und Willem de Ridder 1963 ihren "Marsch durch Amsterdam" - einen Film, der als vielversprechender Ausstellungsauftakt dient. Was folgt sind hinreißende Momentaufnahmen aus dem Paris der fünfzigerer und dem Amsterdam der siebziger Jahre. Eindrucksstark auch die Straßenszenen aus New York, die der Amerikaner William Klein um 1954 machte, sowie die Serie "Suburbia" von Bill Owens, der 1972 die scheinbar heile Welt der Vorstadtamerikaner festhielt mit Tupper-Partys, Barbecues und gelangweilten Teenagern.

Bloß: Sehr viel weiter kommt diese Schau nicht. Wo bleibt die von Computern und Globalisierung geprägte urbane Jugendkultur des 21. Jahrhunderts?

"Mapping the City" bietet Babyboomern der Nachkriegszeit und deren Eltern die Möglichkeit, in Nostalgie zu schwelgen.

Das ist brav und altmodisch. Das überrascht nicht. Zwar gibt es noch den irritierenden Spaziergänger des in Mexiko lebenden belgischen Künstlers Francis Alrs, der mit seinem Stock gegen Autos, Gitter und Wände schlägt. Zu den wenigen interessanten Arbeiten zählt auch "Electric Earth" von Doug Aitken, eine Arbeit, die den nächtlichen Streifzug eines jungen Rappers durch Los Angeles festhält. Sie war allerdings schon 1999 auf der Biennale in Venedig die große Sensation. Bleibt noch der Spaziergänger - aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Termin: bis 20. Mai. Internet: www.stedelijk.nl

KERSTIN SCHWEIGHÖFER