Ausgabe: 05 / 2007
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Angela Matyssek, 35, Wissenschaftliche Assistentin am Kunstmuseum Stuttgart, hat eine Tagung zur Frage "Wann stirbt ein Kunstwerk?" organisiert. Wann stirbt denn ein Kunstwerk? Für eine Versicherung tritt bei einem Totalschaden der Tod ein, aus Sicht der Restauratoren, wenn das Material zerstört ist, für die Theorie sind es ästhetische Gründe.
Ein Werk kann aber auch vom Material her tot, durch das Sprechen darüber aber noch lebendig sein.
Mit welchen Tricks darf man Kunst erhalten, die auf Vergänglichkeit angelegt ist?
Alles, was Restauratoren tun, muss so weit wie möglich wieder entfernbar sein. Wir müssen manchmal eingreifen, aber eigentlich darf es keinen Eingriff geben. Das ist paradox.
Ist das nicht schon immer das Problem von Museen?
Der Wettlauf wird schneller, weil die Künstler mehr mit organischen und synthetischen Materialien experimentieren. Die Restaurierung klassischer Gemälde ist erforscht, aber bei Latex oder gar im Bereich der Neuen Medien ist es schwieriger.
Sollte ein Künstler bei der Erhaltung mitreden dürfen?
Wenn er noch lebt, sollte man ihn zu Rate ziehen. Aber Verkaufen bedeutet auch Los lassen. Nach dem Verlassen des Künstlerateliers beginnt für jedes Werk ein neues Stück Geschichte.
