Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 95

Genialer Coup für zwei Unternehmen

Von Kito Nedo

Zehn Jahre Deutsche Guggenheim und Kooperation mit Sammlung Deutsche Bank BERLIN: AFFINITIES

Von den großen Häusern der Stadt ist es das kleinste: Gerade mal 510 Quadratmeter misst die Ausstellungshalle der Deutschen Guggenheim Berlin Unter den Linden. Zehn Jahre existiert die Institution nun schon, deren Gründungsidee 1996 bei einem Treffen des damaligen Deutsche Bank-Vorstandssprechers Hilmar Kopper und dem Guggenheim- Chef Thomas Krens in New York entstanden sein soll.

In der Rückschau erweist sich die Realisierung des Kooperationsprojekts als genialer Coup: Denn für beide Unternehmen wirft der vom amerikanischen Architekten Richard Gluckman entworfene Ausstellungsraum seit seiner Eröffnung 1997 ordentlich symbolische Rendite ab. Die expansionsfreudige Guggen heim Foundation konnte so ohne große Kosten ein Berliner Standbein in Sichtweite der traditionsreichen Museumsinsel etablieren. Der Deutschen Bank hingegen, die seit den siebziger Jahren im großen Stil zeitgenössische Kunst erwirbt und mittlerweile über eine Sammlung von über 50000 Kunstwerken verfügt, nutzt das Haus vor allem als Prestigeprojekt.

Denn die Möglichkeit, sich durch öffentlichkeitswirksame Kulturarbeit als experimentierfreudiges, gesellschaftlich verantwortungsvoll agierendes und global operierendes Unternehmen darzustellen, ist auch für ein Unternehmen wie die Deutsche Bank im Grunde unbezahlbar.

Der dritte Nutznießer ist die Stadt Berlin: Mit Präsentationen von Gerhard Richter, John Baldessari, Kara Walker, Jeff Koons, Rachel Whiteread oder Bill Viola bringt die Guggenheim oftmals prominente zeitgenössische Künstler in die Stadt und sorgt so für Kontakt zum internationalen Kunstgeschehen. Dies gelingt anderen Berliner Institutionen nicht immer mit solcher Leichtigkeit.

Auch zur Feier des zehnjährigen Bestehens wird man in der Deutschen Guggenheim das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. Unter dem Titel "Affinities" präsentiert Ariane Grigoteit, die Direktorin der Deutschen Bank Kunst, eine Auswahl von Neuankäufen für die Sammlung im Dialog mit Meisterwerken aus dem Guggenheim Museum sowie nie präsentierten Stücken aus der Sammlung - darunter Arbeiten des Wiener Künstlers Erwin Wurm, der New Yorkerin Louise Bourgeois, des amerikanischen Künstlerduos Clegg & Guttmann, der dies jährigen Biennale-Teilnehmerin Isa Genzken und des Hamburger Künstlers Andreas Slominski. Termin: 28. April bis 24. Juni. Katalog: 39 Euro.

Internet: www.deutsche-bank-kunst.com/guggenheim