Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 93

Entschleunigte Leinwandhelden

Von Heiko Klaas

Eine Retrospektive des schottischen Künstlers im Kunstmuseum WOLFSBURG: DOUGLAS GORDON. BETWEEN DARKNESS AND LIGHT

Ob "Der unsichtbare Dritte", "Der Fremde im Zug" oder "Vertigo": Schon als Kind war der schottische Videokünstler Douglas Gordon, Jahrgang 1966, ein begeisterter Fan der Filme von Alfred Hitchcock. Der 1960 entstandene Filmklassiker "Psycho" mit Anthony Perkins in der Rolle des schizophrenen Frauenmörders hatte es ihm dabei besonders angetan. Wahrscheinlich gerade, weil seine Mutter immer zu ihm gesagt hat: "Das solltest du nicht sehen. Du bist zu jung dafür." Heute ist Gordon, der bereits 1996 den begehrten Turner Prize erhielt, zu einem der wichtigsten Gegenwartskünstler geworden.

Das New Yorker Museum of Modern Art widmete ihm im vergangenen Sommer eine große Einzelausstellung. Jetzt präsentiert endlich auch ein deutsches Mu seum eine Werkübersicht. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt unter dem Titel "Between Darkness and Light" Arbeiten aus den Jahren 1993 bis 2004. Neben Fotografien und Schriftbildern sind sieben seiner raumfüllenden Videoarbeiten zu sehen. Die große Ausstellungshalle des Hauses wurde dafür zu einer "Black Box" umgebaut. Der Besucher der Schau wandert durch ein schwarzes Gängesystem und gelangt so von einer Videoinstallation automatisch in die nächste. Douglas Gordon total. Holger Broeker, der Kurator der Schau: "Mit dieser speziellen Ausstellungsarchitektur wollen wir eine Gesamtstimmung aus mehreren Arbeiten erzeugen, die man bisher immer nur einzeln wahrgenommen hat." Mit dabei ist auch die Arbeit "24 Hour Psycho" von 1993 - Hitchcocks Klassiker ohne Ton und heruntergebremst auf zwei ruckelige Einzelbilder pro Sekunde.

Gordons kindliche Begeisterung für den Film ist einer kühlen, analytischen Vorgehensweise gewichen. "Das Kino ist tot", verkündet er. Und Tote landen eben manchmal auf dem Seziertisch. Kinound Dokumentarfilme sind für Gordon Rohmaterial, das er bearbeitet, zerlegt und neu montiert. Mal verlangsamt, mal beschleunigt und mal unendlich oft wiederholt.

Den Betrachter will er damit zum genauen Hinsehen bewegen. Ihm geht es allerdings weniger um formale, als um moralische Fragen: Wie sich nämlich das Böse im vordergründig Guten verbirgt und wie die Dr. Jekylls und Mr. Hydes aller Zeiten ihr hinterlistiges Spiel treiben.

Termin: 21. April bis 12. August. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro.

Internet: www.kunstmuseum-wolfsburg.de