Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 94

Urknall auf der Leinwand

Von Nicolaus Neumann

Eine Ausstellung des deutschen Malers im Showroom der EnBW BERLIN: UWE BREMER. ALPHYSIKALISCHE STILLLEBEN

Die reale Welt war noch nie die Welt des Malers, Radierers und Holzschneiders Uwe Bremer. Abgesehen von einigen zarten poetischen Tuschzeichnungen und einer Reihe von fast luziden Aquarellen, beherrschten schon früh monströse Fabelwesen - Zombies, Werwölfe, Cyborgs, Vampire - seine fein ziselierten Zeichnungen ebenso wie seine handfesten Holzschnitte. Selbst wenn er sich mit scheinbar fassbareren Themen beschäftigte - nordische Mythen beispielsweise oder die Siegfried-Sage -, immer sind es deren dunkelste Protagonisten, die seine skurrilen Bilderzählungen füllen. Erst mit dem Zyklus "Aviatika.

Flug + Trug" - großformatige Ölgemälde auf Holz - Ende der neunziger Jahre kam mit der Farbe Licht in Bremers geistreiche Gruselkammer. Statt der Nachtmahre stehen nun Lichtgestalten und "Weltraumfahrer" im Bildmittelpunkt.

Nun wird für ihn der Weltraum, der Abenteuerspielplatz der Astrophysik, zur Bildvorlage. Ein Kosmos, den die Wissenschaft mit fantastischen Thesen, gewaltigen Parabolspiegeln, komplexen Satelliten und Funksignalen in den Griff zu bekommen sucht, und den wir bislang nur aus verschwommenen Lichtbildern ferner Sternenexplosionen oder -geburten kennen. "Stillleben" heißt der neue Zyklus des Künstlers: In 20 großformatigen Ölbildern erzählt er, wie sich Wissenschaftler wie Stephen Hawkings, Lee Smolin oder Andrej Linde den Raum, die Zeit, das Universum, die Entstehung der Welt und was sie im Innersten zusammenhält, vorstellen.

Voller Fantasie, ohne die auch die kühnsten Physiker nicht einen Schritt weit in den unendlichen Weltraum vordringen könnten, malt der 67-jährige Künstler den Urknall, die Stringtheorie, schwarze und weiße Löcher, die Quantenleiter.

Er malt die reine Energie. Mit altmeisterlicher Akribie und feinen Pinseln verwandelt er die aufregenden und oft schwer vorstellbaren Erkenntnisse der Astrophysik in opulente und dennoch präzise Visionen. Bremers poetische "Bebilderung" der schwierigsten Phänomene einer abstrakten Physik sind in Berlin im Showroom des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) am Schiffbauerdamm zu sehen, organisiert vom Hamburger Galeristen Thomas Levy.

Termin: 23. März bis 21. April. Katalog: 20 Euro.

Internet: www.enbw.com/content/de