Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 90-91
Was lange währt, wird endlich gut
Von Barbara Hein
Die Hamburger Kunsthalle widmet sich der Wirkungsgeschichte des berühmten Werks von Kasimir Malewitsch HAMBURG: DAS SCHWARZE QUADRAT
Mit fast einem Jahr Verspätung eröffnet Hubertus Gaßner am 22. März die Ausstellung "Das schwarze Quadrat. Hommage an Malewitsch". Eigentlich sollte sie bereits im vergangenen Mai sein fulminanter Auftakt als Kunsthallen-Direktor in Hamburg werden, doch das scheiterte daran, dass die Leihgaben "nicht mehr zur Verfügung standen" - so Gaßner damals (siehe art 5/2006).
Nun sorgt seit Anfang Februar besonders ein Objekt der Schau für Furore:
Gregor Schneiders "Cube Hamburg 2007", ein 14 Meter hoher, von der Kaaba in Mekka inspirierter Würfel, der auf dem Platz zwischen Kunsthalle und Galerie der Gegenwart errichtet wird. Ursprünglich sollte der Kubus nämlich schon während der Biennale 2005 in Venedig auf den Markusplatz gesetzt werden, was aber von den italienischen Behörden, die muslimische Proteste befürchteten, verhindert wurde. Aus diesem Grund scheiterte auch der Plan, den "Cube" im Februar 2006 vor dem Hamburger Bahnhof in Berlin zu realisieren.
Das eigentliche Zentrum der Schau bildet jedoch Kasimir Malewitschs Schlüsselwerk des Suprematismus: "Schwarzes Quadrat auf weißem Grund" von 1915.
Für Malewitsch war das schwarze Quadrat "der Keim aller Möglichkeiten", die Form, aus der alle anderen entstehen: durch Drehung ein Kreis, durch Teilung Dreieck und Rechteck, durch Verlängerung und Überschneidung ein Kreuz.
Das Werk hat in seiner Radikalität wie kaum ein anderes Künstler der Moderne beeinflusst. Das ist das Thema der Schau.
"Es geht nicht um eine Retrospektive, sondern die vielfältige Wirkungsgeschichte des Bildes", erklärt Projektleiter Felix Krämer. Dazu werden rund 100 Werke aus der westeuropäischen und amerikanischen Kunst von 1945 bis heute versammelt.
Der Rundgang beginnt mit Salonmalerei der Jahrhundertwende, um zu zeigen, wovon Malewitsch sich so revolutionär absetzte. Danach treffen die Besucher auf Alexander Rodtschenko, Yves Klein, Jean Tinguely, Donald Judd, Sol LeWitt, Richard Serra, Günther Uecker oder Rosemarie Trockel. Auch Sigmar Polkes: "Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!" ist zu sehen.
Zu den jüngsten Werken gehört "Der Leichnam der Kunst" (2003) der Gruppe Irwin, die Malewitschs Wunsch, unter dem schwarzen Quadrat aufgebahrt zu werden, wörtlich nahm und ihm in einer Installation diesen auf ewig erfüllt. Und vielleicht wird ja mit dieser Schau noch jemand unsterblich - zumindest, wenn es nach Gregor Schneider ginge, denn der findet, dass Gaßner für seinen Mut, den "Cube" zu bauen, den Friedensnobelpreis verdient hätte. Termin: 23. März bis 10. Juni. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro.
Internet: www.hamburger-kunsthalle.de
