Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 93
Expressionistische Großstadtsaga
Von Kito Nedo
Rainer Werner Fassbinders Film als Rauminstallation in den Kunst-Werken BERLIN: BERLIN ALEXANDERPLATZ
Nachdem Regisseur Rainer Werner Fassbinder die Verfilmung (1931) der Großstadt-Saga "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin gesehen hatte, fällte er ein hartes Urteil gegenüber seinem Kollegen Piel Jutzi: "Buch und Film haben nichts zu tun miteinander." Entsprechend monumental fiel Fassbinders Interpretation (1980) des Döblinschen Meisterwerks aus: 15 1/2 Filmstunden dauert der aussichtlose Kampf des frisch entlassenen Zuchthäuslers Franz Biberkopf um eine ehrliche Existenz im krisengeschüttelten Moloch Berlin der späten zwanziger Jahre. Das Werk wurde bei der TV-Erstausstrahlung Ende 1980 heftig kritisiert. Heute ist Fassbinders Berlin- Epos als große Kunst anerkannt. Zur Berlinale wurde eine mit 450000 Euro der Bundeskulturstiftung restaurierte 35- Millimeter-Kopie in der Volksbühne präsentiert.
Die Kunst-Werke in der Auguststraße bieten nun die Gelegenheit, die ehemalige Fernsehserie als begehbare Großprojektion zu erleben, denn jede der 13 Folgen und der Epilog werden in einem eigenen Raum gezeigt. KITO NEDO Termin: 18. März bis 13. Mai. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Katalog: Schirmer/Mosel Verlag, 40 Euro, im Buchhandel 68 Euro.
Internet: www.kw-berlin.de
