Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 10-11
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Um in der eleganten Art-déco-Bar einen Drink zu nehmen oder im Cinema Impero einen Film zu sehen, muss man sich nicht etwa nach Rom begeben, sondern nach Asmara. Nie gehört? Das ist die Hauptstadt von Eritrea. Zu weit? Dann fahren Sie nach Frankfurt am Main. Da können Sie bis zum 15. April im Deutschen Architekturmuseum wenigstens auf den Fotos der Ausstellung Asmara.
Afrikas heimliche Stadt der Moderne die faszinierenden Bauten sehen, die Mussolini zwischen 1922 und 1941 in der italienischen Kolonie errichten ließ.
Nach rund 100 Jahren Fremdherrschaft durch Italien, Großbritannien und Äthiopien sind die Eritreer seit 1991 unabhängig. Die Architektur der Kolonialherren wollen sie trotzdem erhalten: Die UNESCO soll sie zum Welterbe erklären.
EINE LISTE Das MoMA ist kein Einzelfall 1. MAMbo: Museo d' Arte Moderna di Bologna 2. MUMOK: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien 3. MACBA: Museu d' Art Contemporani de Barcelona 4. MfAK: Museum für Angewandte Kunst, Köln 5. MAK: Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien 6. MAMCO: Musée d' art moderne et contemporain, Genf 7. MOCCA: Museum of Contemporary Canadian Art, Toronto 8. MALBA: Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires 9. MARTa: Möbel, Kunst und Ambiente; Museum für zeitgenössische Kunst und Design, Herford 10. Md'AM: Museo d' Arte Moderna di Lugano 11. MCA: Museum of Contemporary Art, Chicago 12. MAC: Museo de Arte Contemporáneo Estebande Vicente, Segovia 13. MASS MoCA: Massachusetts Museum of Contemporary Art, North Adams
EINE ZAHL 1 496 000 Dollar für zwei Plüschtiere - Weltrekord bei Christie's in New York für eine Arbeit des amerikanischen Aktionskünstlers Paul McCarthy. Es handelt sich bei der 2,70 Meter hohen Skulptur um "Bear and Rabbit on a Rock" aus dem Jahr 1992: ein brauner Zottelbär und ein Schneehase, die in ekstatischer Umarmung Sex auf einem grauen Felsbrocken haben.
"Man hat mir so sehr in den Hintern getreten, dass ich Angst um mein Leben hatte", schreibt Mark McGowan auf seiner Webseite über die Aktion Kick George Bush's Ass. 72 volle kalte Februar- Stunden lang ist der britische Performance-Künstler nonstop auf den Knien durch die Straßen von Manhattan gekrochen, kostümiert mit Bush-Maske und einem Zettel auf dem Po mit der Aufschrift "Tretet mir in den Arsch". Und dazu brauchte er nicht zwei Mal aufzufordern. Da kamen sehr viele Tritte zusammen auf 58 Kilometern - zum Glück hatte er ein Polster in der Hose.
Böse Mädchen mit Kulleraugen und Zigaretten im Mundwinkel haben ihn bekannt gemacht: Yoshitomo Nara.
Längst gibt es die Figuren des japanischen Künstlers auf Buttons, Tassen, T-Shirts. Nun hat er mit der Designergruppe "graf" ein Haus mit sechs Räumen und Bar entworfen, die Berlin Baracke, darin verteilt: rund 100 Zeichnungen und ein Dutzend großer Bilder - noch bis 21. April in der Galerie Zink Berlin: www.galeriezink.de
Hexe, Dirne, Drachenweib - Hans Baldung Grien (1484/85 bis 1545) hat sie alle gemalt. Frauen waren das Lieblingssujet des Dürer-Schülers. Im Frankfurter Städel sind über 40 seiner Werke noch bis zum 13. Mai in der Schau "Hexenlust und Sündenfall" zu sehen.
MINI-SERIE - TEIL 3 Wo geht's hier bitte nach Meese?
Humorlos, kinderfeindlich und total unspannend:
So könnte man sich den Job als Museumswärter vorstellen. "Stimmt gar nicht", sagt Gesine Röhrig, 30, die jahrelang als Studentin in den Hamburger Deichtorhallen jobbte. "Man kann herrlich beobachten - die Leute zum Beispiel." Hier ist ihre ganz persönliche Besucher-Typologie:
Schwätzer: Mann um die 60, der Sonntag Nachmittag von seiner Frau ins Museum getrieben wird. Findet Kunst per se fragwürdig, Künstler erst recht. Nachdem die Gattin entnervt das Weite gesucht hat, versucht er in seiner jovial-geschwätzigen Art die Aufsicht in Diskussionen zu verwickeln - à la "Ditt Jeschmiere hätt ick ooch noch hinjekricht, wa".
Grapscher: Geschlechts- und altersübergreifend, finden besonderen Reiz daran, die Toleranzschwelle des Museumspersonals zu testen, indem sie Leinwände, Skulpturen und Installationen erst umkreisen, dann beschnuppern, schließlich betatschen. Motzen rum, für wie unbeholfen man sie hielte, sie würden doch nichts kaputt machen, ach Gottchen.
Amazonen: Frau zwischen 40 und 70, gern mit rotgerandeter Brille, die sich mit aller Gewalt gegen die Herausgabe ihrer Handtasche wehrt. Nach 15-minütiger Diskussion rückt sie das modische, dennoch praktische Teil mit einem verächtlichen Schnaufer doch heraus und schreitet voller Verachtung für jede Autorität - außer der eigenen - von dannen.
So, so. Im Büro von US-Filmregisseur Steven Spielberg hing seit 1989 ein gestohlenes Gemälde. Erst als das FBI eine Fahndung herausgab, fiel es Spielberg-Mitarbeitern auf und wurde als das seit 1973 vermisste "Russische Klassenzimmer" von US-Maler Norman Rockwell (1894 bis 1978) identifiziert; Schätzwert rund 533000 Euro. Spielberg ist ein leidenschaftlicher Rockwell-Sammler, Mitbegründer des Rockwell-Museums - und ein "absolut unwissendes Opfer", so das FBI. Deshalb bleibt das wertvolle Stück auch erst mal bei Spielberg, dort sei es sicher.
Madrid, Prado, Saal 14. Für eineinhalb Monate durfte ein Foto sich unter die Bilder des Hausgotts Diego Velázquez mischen: "Museo del Prado 2" von Thomas Struth.
Das Bild in Saal 14 zeigt zwei Japanerinnen vor zwei Gemälden des Saals 14, vor "Äsop" und "Philipp IV. im Jagdanzug". Für die Zeit der Struth-Schau mit insgesamt zehn Fotos waren Velázquez' Porträts an andere Wände in diesem Raum gewandert und sahen von dort auf den Betrachter des Fotos herab, der wiederum die zwei Japanerinnen ansah, die vor Philipp IV. standen. Kurz: In Saal 14 löste jeder ein stilles Blickgewitter aus und musste abwarten, bis zwischen Velázquez, dem König, Äsop und Struth, den Touristinnen und ihm selbst langsam die Spannung nachließ.
MINI-REPORTAGE Es war so wie im Aufzug: Wo soll man hinkucken? Auf den Boden? Den anderen ins Gesicht? Im Düsseldorfer NRW-Forum ging es den Besuchern von Bilder im Kopf ähnlich. Dort spielten CD-Player Kommentare zu zehn "Jahrhundertbildern" ab: Marilyn Monroe über dem Lüftungsschacht, James Dean auf dem Times Square. Ikonen des Weltgedächtnisses, das hier gekitzelt, aber nicht bereichert wird. Nachher haben wir dann ein paar neue "Bilder im Kopf": von weißen Tonträgern auf weißen Wänden.
Bühne frei für Modedesigner Bernhard Willhelm: Die knisternden Entwürfe seiner neuen Kollektion finden auch als Kostüme am Deutschen Theater Berlin Verwendung. In der furiosen Fassbinder-Adaption "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (Regie Phillipp Preuss, Bühnenbild gemeinsam mit Giulia Paolucci) geht es um Kabale und Liebe im Fashion-Business: Kein Wunder, dass die Funken fliegen.
Leugnen zwecklos: Jeder, der die Ausstellung "Dangerous Beauty" besucht, erfährt sein wahres Gewicht - zumindest, wenn er oder sie sich auf Jacob Dahlgrens Installation aus Badezimmer-Waagen "Heaven is a Place on Earth" traut. Der Schwede ist einer von 27 internationalen Künstlern, die im New Yorker Chelsea Art Museum noch bis zum 21. April verquere Schönheitsideale auf den Prüfstand stellen.
"Sind die echt?", scheint sich die Dame rechts im Bild angesichts des Rentnerpaars im Freizeit-Look zu fragen. Nein, lautet die Antwort, sie sehen nur so aus. Es sind Skulpturen aus Glasfaser und Polyesterharz des US-Bildhauers Duane Hanson (1925 bis 1996), die noch bis 3. Juni im Arken Museum für Moderne Kunst im dänischen Ishøj zu sehen sind - zusammen mit 21 anderen Kollegen aus Kunststoff.
Jan Weenix d. J.: "Toter Hase" (um 1683, 98 x 79 cm)
Stilvolles Trinken an der schattigen Art-déco-Bar des 1937 erbauten Odeon-Kinos in der eritreischen Hauptstadt Asmara
Ebenfalls von 1937: das Kino Impero mit rotbrauner futuristischer Fassade
New Yorker leben ihren Ärger über Präsident George W. Bush aus
Mark McGowan auf der Ochsentour durch die Straßen New Yorks
Ein Tisch und viel Spielzeug - so könnte Naras Atelier aussehen:
Blick in einen Raum der "Berlin Baracke"
"Käufliche Liebe" (1527) von Hans Baldung Grien
Im Saal 14 des Prado hängt Thomas Struths Foto von Saal 14 des Prado
Wieder da: "Das russische Klassenzimmer" von Norman Rockwell wurde 30 Jahre lang vermisst
Notorischer Filmemacher und multipler Oscar-Preisträger Steven Spielberg
Blick in die Ausstellung "Bilder im Kopf": weiße CD-Player an weißen Wänden - designt von Naoto Fukasawa für Muji
