Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 128
Streithähne
Von Kerstin Schweighfer
Architektur I: Missglückter Wettbewerb in Delft
Manchmal sind zwei einer zu viel. Wie viel Wahrheit in dieser Volksweisheit steckt, haben die Stadtväter von Delft erfahren, als sie einen Wettbewerb für einen Gebäudekomplex ausschrieben, der Bahnhof und Kommunalverwaltung unter einem Dach vereinen sollte. Neben dem Urteil einer Fachjury zählte auch die Meinung einer Bürgerplattform.
Die fand den nostalgischen Backsteinentwurf des Amsterdamer Architekten Sjoerd Soeters am schönsten. Die Fachjury hingegen entschied sich für den modernistischen Plan mit viel Glas und Stahl von Rudy Uytenhaak, ebenfalls aus Amsterdam. Endergebnis:
Soeters erhielt 7,125 von zehn Punkten, Uytenhaak 7,075.
Woraufhin die Gemeinde beschloss, auf 7,1 auf- und abzurunden und zwei Sieger hatte. Die sollten in einer weiteren Runde gegeneinander antreten. Soweit aber kam es nicht, denn Soeters dachte anders darüber: "Weil denen das Ergebnis nicht passt, wird auf einmal auf die drei Stellen hinterm Komma kein Wert mehr gelegt." Er zog vor Gericht, um doch zum Sieger des Wettbewerbs gekürt zu werden. Folge: einstweilige Verfügung Nummer eins.
Der weinende Dritte, das Delfter Architekturbüro Mecanoo, zog daraufhin nach: "Unser Entwurf wurde aus nicht näher genannten finanziellen Grün den abgelehnt", so Sprecherin Hanneke Hollander. "Wir wollen nun wissen warum." Es folgte einstweilige Verfügung Nummer zwei. Die Gemeinde Delft versuchte daraufhin ein zu lenken und versprach, alle Entwürfe neu zu begutachten.
Das brachte Soeters nur noch mehr in Rage, sah er sich doch als Sieger: Es kam zur einstweiligen Verfügung Nummer drei.
Zwar hat der Richter inzwischen zugunsten der Gemeinde entschieden: Alles darf neu begutachtet werden. Aber wie, das ist noch offen: "Details darf ich nicht verraten", sagt Gemeinde- Sprecher Barry Raymakers.
KERSTIN SCHWEIGHÖFER
