Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 132
Teures Kanu
Von Hans Pietsch
Auktion: Rekordpreise für Peter Doig und Francis Bacon
Es wurde immer stiller im überfüllten Auktionssaal bei Sotheby's in Londons schicker Bond Street, je weiter der Preis von Los sieben nach oben kletterte. Als dann Tobias Meyers Hammer fiel, brach der Saal in spontanen Beifall aus. So etwas hat te es noch nicht gegeben: Von einem Schätzpreis von 1,2 Millionen Pfund (1,8 Millionen Euro) stieg der Wert von "White Canoe" (1990/91) des britischen Malers Peter Doig innerhalb weniger Minuten auf 5,1 Millionen Pfund. Mit der Prämie für das Auktionshaus ergibt das 5,73 Millionen Pfund (8,7 Millionen Euro), mehr als das Fünffache des bisherigen Rekordpreises für Doig, und der höchste Preis, der je für ein Werk eines lebenden europäischen Künstlers gezahlt wurde. Zur großen Zufriedenheit des mutmaßlichen Besitzers Charles Saatchi, der die auf ein Standfoto aus dem Horrorfilm "Freitag der 13." zurückgehende Darstellung eines Kanus auf einem glitzernden See Anfang der neunziger Jahre für 40 000 Pfund (59 000 Euro) erstanden hatte.
Doigs Arbeit war nicht die einzige, die bei den großen Londoner Auktionen für zeitgenössische Kunst Anfang Februar erstaunte.
Die Rekorde purzelten nur so bei Sotheby's und Christie's. Spitzenpreise erzielten Werke von Anselm Kiefer, Andreas Gursky und Sigmar Polke, von Mark Rothko und Frank Auerbach, für Gerhard Richter und Lucian Freud.
Und der New Yorker Händler Andrew Fabricant ließ sich im Auftrag der Richard Gray Gallery "Study for Portrait II" (1956) von Francis Bacon 14 Millionen Pfund kosten (20,7 Millionen Euro). Der Gesamterlös stieg bei Sotheby's auf 45,7 Millionen Pfund (69,6 Millionen Euro), bei Christie's gar auf 70,4 (106,5 Millionen Euro).
So viel wurde bei Versteigerungen auf europäischem Boden noch nie umgesetzt.
