Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 131

Tiefe Schnitte im "Denker"

Von Kerstin Schweighfer

Raub: Bronzediebe schlagen auch in den Niederlanden zu

So einfach kann das gehen: Tüchtig Vollgas geben und mit dem Laster das Gitter durchbrechen, ein paar Bronzeskulpturen mit roher Gewalt vom Sockel reißen, auf den LKW laden und ab zum Schmelzofen. Auf diese Weise wurden Anfang des Jahres aus dem Skulpturenpark des Singer Museums in Laren sieben Plastiken gestohlen. Das wert vollste Werk ist ein früher Abguss der Skulptur "Der Denker" (1880) von Auguste Rodin, der auf rund eine Million Eu ro geschätzt wird.

Da die Skulpturen vermutlich schon bei der Tat schwer beschädigt wurden, geht die Polizei davon aus, dass es den Dieben nicht um die Kunst ging, sondern um die Bronze: Sie bringt auf dem Markt ungefähr zwei bis drei Euro pro Kilo ein, eine Skulptur wie der "Denker" hochgerechnet ein paar Hundert Euro. Diese Vermutung bestätigte sich, als das Werk kurze Zeit nach dem Diebstahl aufgefunden wurde, von einer Metallsäge schwer entstellt, mit abgesägtem rechten Unterschenkel und tiefen Schnitten in Gesicht, Bein und Armen.

Der Raub in Laren ist vorläufiger Höhepunkt einer ganzen Diebstahlserie: Allein im Januar wurden in den Niederlanden 41 Außenbronzen gestohlen. In England und Kanada verschwanden 2006 ebenfalls auffallend viele Bronzeskulpturen (art 4/ 2006).

Das Art Loss Register in London spricht angesichts dieses Bronzeklaus von einem "jungen Phänomen".

Die Polizei hat inzwischen zwei Verdächtige im Singer-Raub verhaftet, einen 23-jährigen Mann und seinen mutmaßlichen 40 Jahre alten Komplizen.

Doch bis auf den schwer beschädigten "Denker" ist bislang noch keine der geraubten Skulpturen wieder aufgetaucht. Das Singer Museum hat nun Rodin- Experten in aller Welt aufgerufen, bei der schwierigen Restaurierung des "Denkers" mitzuhelfen.

Allerdings glaubt Ineke Middag, geschäftsführende Direktorin des Instituts, "dass er wohl nie mehr ganz der Alte wird".

KERSTIN SCHWEIGHÖFER