Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 125

"Kein Mäzen"

Von Susanne Altmann

Schenkung: Umstrittener Sammler gibt Schätze ab

Endlich sollen die Schätze des Chemnitzer Sammlers Georg Brühl neue Domizile finden: Seine rund 4000 Stücke ostasiatischen Kunsthandwerks kommen in das sächsische Barockschloss Lichtenwalde bei Chemnitz. Ab 2009 sollen sie, wenn auch nur in Teilen, hier ausgestellt werden; die rund 600 islamischen Textilien und russischen Ikonen aus dem Besitz des 76-jährigen Brühl gehen ans nahe gelegene Renaissanceschloss Augustusburg.

Seit fast zehn Jahren wurde eine mögliche Schenkung Brühl in Sachsen heiß diskutiert, aber in Chemnitz und Zwickau lehnte man sie ab. Denn der Sammler ist eine umstrittene Figur. Zu DDRZeiten bespitzelte er als einflussreicher Kunstmanager in Chemnitz Kollegen und Künstler wie die Mitglieder der Gruppe Clara Mosch. In der Regel schikanierte und enteignete der SED-Staat private Händler und Sammler im großen Stil. Aber IM Peter, wie Brühl sich damals nannte, durfte seine Kollektion mit Stücken aus der chinesischen Bronzezeit bis hin zum Jugendstil behalten und revanchierte sich ganz offenbar mit Denunziationen.

Bevor die Schenkung an die beiden Schlösser nun vereinbart wurde, erkundigte sich der Freistaat Sachsen bei einigen von Brühls Opfern nach deren Meinung.

Künstler Thomas Ranft, einer der Leidtragenden, meint heute: "Brühl darf nach alldem nicht als großer Mäzen dastehen.

Er soll still und leise die Sammlung verschenken und in Ruhe seinen Lebensabend genießen." Das klingt recht versöhnlich, und in der Tat geht es Georg Brühl vor trefflich. Denn als Gegenleistung für seine Gaben darf er bis ans Lebensende auf Schloss Lichtenwalde wohnen, umgeben von seinen Kostbarkeiten.

Das Schloss wird derzeit für rund 12 Millionen Euro renoviert und zu einem noblen Museum umgebaut. Seit 1726 gibt es hier ein herrliches chinesisches Zimmer, dessen über 100 Wandkonsolen auf die ostasiatischen Porzellane des Sammlers Brühl nur zu warten scheinen.