Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 128
Hotels zwischen Tempelruinen
Von Kirsten Einfeldt
Archäologie: Experten gegen Neubaupläne in Tulum
Ein kühler Erdbeer-Daiquiri zwischen Maya-Tempeln und Palmen, direkt am paradiesischen Sandstrand? Im mexikanischen Tulum ist das möglich. Allerdings meist nicht legal, wie das Mexikanische Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte (INAH) meint. "Ein Zehntel des rund 700 Hektar großen, denkmalgeschützten Geländes der berühmten Maya-Stätte ist durch illegale Hotelbauten schon jetzt zerstört", sagt Adriana Velázquez Morlet vom INAH. Die Archäologin hält maximal drei Zimmer pro Hektar für angemessen. Doch nun hat die Gemeindeverwaltung des Ortes Solidaridad im Bundesstaat Quintana Roo, ohne Rücksprache mit den zuständigen Archäologen zu nehmen, den Bau von 13 Hotels und Hüttenanlagen mitten im Nationalpark genehmigt.
Das führte zum Streit: Während das mexikanische Umweltministerium grünes Licht für die Baupläne gab, halten die Archäologen die geplante Bebauung von 15 Hotelzimmern pro Hektar im geschützten Nationalpark für unvertretbar.
"Die archäologische Stätte ist bereits jetzt visuell erheblich beeinträchtigt", erklärt Morlet. Die Experten des INAH befürchten, dass die viel besuchte - täglich strömen bis zu 7000 Menschen durch die Tempel und Festungsreste von Tulum - und erst in Teilen erforschte, archäologische Anlage durch Immobilienspekulation ruiniert wird. Immerhin wurden zwei Hotels, auf deren Grundstücke Tempelreste liegen, inzwischen auf Drängen des Instituts geschlossen. Doch über den von den Archäologen geforderten Abriss der beiden Gebäude wird nun erst einmal gestritten - Ausgang ungewiss.
