Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 126
Lob für "Tiefe und Anmut"
Von Almuth Spiegler
Documenta 12: In Wien wurde das erste Magazin vorgestellt
Zumindest eines hat Wien der Stadt Kassel im Documenta- 12-Countdown voraus: In Wien liegt die Zentrale der in aller Welt ansässigen Redaktionen, in denen Documenta-Leiter Roger M. Buergel über seine drei großen vorgegebenen Themen nachdenken lässt - die Moderne, das bloße Leben, die Bildung. Um die theoretische Diskussion darüber schon im Vorfeld ordentlich anzuheizen und zu füttern, wurden mehr als 90 kleine, feine Kunstmagazine zur Teilnahme eingeladen. Allein zum Thema "Ist die Moderne unsere Antike?" kamen 300 Artikel zusammen.
Eine Wissensflut, die wohl vor allem Buergels Redaktionsleiter Georg Schöllhammer, selbst Chef des teilnehmenden österreichischen Magazins "Springerin", konsumieren konnte. Mit Verspätung präsentierte er daher Ende Februar in der Wiener Secession eine Art "Best of" aus allen Einsendungen: das 224-Seiten starke "Documenta Magazine N° 1". In 13 Aufsätzen werden hier etwa "Moderne, Modernismus und die Stellung Afrikas in der aktuellen Kunstgeschichte" oder eine "Neue rote Kunst" in Polen diskutiert.
Sieben Künstler, unter ihnen auch Lee Lozano, Rasheed Araeen und Ruth Vollmer, werden in Solo- Porträts vorgestellt, was aber nicht direkt auf die Ausstellung selbst verweisen muss, wie Buergel betonte.
Das Verhältnis zwischen der Schau und der dreiteiligen Publikationsreihe um schrieb er elegant als "in Korrespondenz".
Schöllhammer pochte indes darauf, mit der von Martha Stutteregger - Entwerferin des Logos der Documenta 12 - gestalteten Magazin-Reihe eine "ästhetische Propädeutik (Einführung, Red.) der Ausstellung" zu liefern. Eine Herausforderung, die laut Buergel vom Team mit "intellektueller Tiefe und Anmut" bewältigt wurde.
Nach der ersten Textsammlung "Modernity?" sollen vor der Documenta-Eröffnung im Juni noch die Ausgaben "Life!" und "Education:" erscheinen.
Info: "Documenta Magazine N° 1, 2007 Modernity?", Taschen Verlag, 12 Euro
