Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 127

Ende der Hängepartie

Von Axel Hecht

KOMMENTAR

Diese Sammlung kommt einfach nicht aus den Schlagzeilen heraus: Die Darmstädter Kosmetikerben ("Wella") Sylvia und Ulrich Ströher werden ihre Kunstwerke, die sie erst 2005 vom Duisburger Bau-Investor Hans Grothe erworben hatten, aus Bonn abziehen. Damit verliert die Stadt einen auf 400 Werke geschätzten Bilderberg vornehmlich westdeutscher Gegenwartskunst von Georg Baselitz bis zu Gerhard Richter.

Als der große Kunsttransfer geschah, war die Öffentlichkeit noch mit der Zusage beschwichtigt worden, die neuen Eigentümer würden in den bestehenden Leihvertrag einsteigen, der die Bilder bis 2025 ans Kunstmuseum Bonn band. Ein vernünftiges und auch für die Ströhers durchaus günstiges Abkommen:

Schließlich wurde ihr neuer Kunstschatz weiterhin in Bonn deponiert und zudem gepflegt.

Einzelne Werke waren in der Schausammlung präsent.

Nach Tische las es sich schon bald anders: Die Ströhers, so war zu hören, wünschten mehr Mitsprache bei der Ausstellungspolitik, nun kam wohl auch noch ein Konflikt um Konservierungsmaßnahmen dazu. Die Autonomie des Museums stand auf dem Spiel.

Direktor Dieter Ronte, im langen Kontakt mit fordernden Leihgebern erprobt, inzwischen wohl aber auch ermüdet, sprach davon, dass "die Chemie nicht gestimmt" habe. Bonn muss froh sein, dass die Hängepartie endlich ein Ende hat. Der Preis für das stets brüchige Kunstglück schien stets hoch: Schon die Planung des neuen Hauses war einst auf die teils riesigen Formate neudeutscher Malerei zugeschnitten gewesen, danach hatten Pflege und Deponierung Jahr für Jahr viel Geld gekostet. Den anderen Kommunen sollte Bonn durchaus ein Beispiel sein und signalisieren:

Macht euch nicht zum Spielball fordernder Leihgeber.