Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 96

Fiktive Welt unter Steinen begraben

Von Adrienne Braun

Der Badische Kunstverein stellt die raumgreifenden Installationen des Deutschen vor KARLSRUHE: DANIEL ROTH

Hinterm Schrank liegt das Reich des Schuhmachers Volker Weller, einer fiktiven Gestalt aus der Gedankenwelt des Daniel Roth. Weller ist eine bizarre Person: Er züchtet Steine. Schließlich ist der ebenfalls fiktive Ort, so der theoretische Ansatz von Daniel Roth, unter einer Betondecke verschwunden.

Bei Roth ist alles etwas anders als in der Welt der Logik. Der Badische Kunstverein stellt nun den 1969 geborenen Künstler und seine raumgreifenden Installationen vor. Daniel Roth nutzt verschiedene Medien. Er zeichnet auf Papier und auf die Wände, er schreibt kurze Texte, setzt Fotografien ein und baut Glasfaserobjekte in den Raum. Vier große Installationen führen in Karlsruhe nun hinein in die Fantasiewelten von Daniel Roth.

Er ist ein Erzähler, den reale Städte und Landschaften inspirieren zu seinen oft mysteriösen Fiktionen. So war der Ausgangspunkt der Arbeit "Weller Volker" (1998) sein Heimatort Schramberg, der in der Vorstellung des Künstlers angeblich unter einer Betondecke liegt. Roth führt mittels Texten und Fotografien in diese Unterwelt, und der Besucher kann tatsächlich durch einen Schrank gehen und sie betreten.

Die Werkstatt des Schuhmachers Volker Weller muss er sich allerdings selbst vorstellen. "Man ist gefordert, die eigene Fantasie zu entwickeln", sagt Susanne Stiel, die für die Ausstellung verantwortlich ist. Der Betrachter frage sich, wie sich die Elemente zueinander fügten, "aber das weckt die Neugier." In Roths Arbeit "701XXKA" (2002) weist eine Landkarte auf einen unterirdischen Tunnel hin, der - angeblich - von London bis zum Justizpalast Brüssel verläuft. Verschiedene Schauplätze werden durch Zeichnungen, Diaprojektion, eine gerahmte Rechnung und eine Skulptur aus Zweigen an gedeutet.

"Man fragt sich immer wieder: Was hat das mit dem Justizpalast zu tun", sagt Stiel, die genau in diesem Mysteriösen die eigentliche Leistung der Arbeiten sieht. Roth kombiniere reale Orte und Fotografien mit konstruierten Geschichten, wobei er sich immer wieder auf die Literatur beziehe - zum Beispiel auf den Roman "Austerlitz" von W. G. Sebald.

Mitunter dient auch seine eigene Biografie als Quelle. So spielt Roth, der inzwischen in Amsterdam lebt, mit dem Titel "701XXKA" auf seine Studienzeit in Karls ruhe und sein damaliges Autokennzeichen an. Termin: 31. März bis 13. Mai.

Internet: www.badischer-kunstverein.de