Ausgabe: 04 / 2007
Seite: 104

Heimwerker-Burg

Von Jrgen Hohmeyer

HAMBURG: THIS PLACE IS MY PLACE

Stacheldraht auf der Ummauerung, Stromgenerator im Vorgärtchen, Regentonne auf dem Dach, maurische Spitzbögen über klassischer Balustrade: Solch einen verwegenen Architekturmix setzt die Slowenin Marjetica Potrc? in den Hamburger Kunstverein, ein Bollwerk der Autarkie und des Dilettantismus.

Kaum zu glauben, dass dieses gelb leuchtende "Prishtina House" kein Fantasieprodukt ist, sondern die verkleinerte und heimwerkerhaft überpointierte Replik eines realen Bauwerks in der Hauptstadt des Kosovo mit dessen ungestümem Drang nach Unabhängigkeit - auch von der westlichen Moderne.

My home is my castle? Ähnlich scheint es schon der Ausstellungstitel sagen zu wollen. Aber der rote Faden, der die Arbeiten von sieben Künstlern aus sieben Ländern zusammenhalten müsste, ist dünn, so sehr die Beispiele einzeln auch der Betrachtung wert sind. Was "begehrte Orte" - so lautet der Untertitel - sind, wer sie verteidigen oder erobern möchte, wird leider nicht aufgeklärt. Gut, die Schau wird von einem Strang Globalisierungskritik durchzogen. So dokumentiert die Schweizerin Ursula Biemann mit Wandkarten und Videoszenen Konstruktion und Auswirkung einer grenzenüberschreitenden Öl-Pipeline vom Kaspischen Meer bis an die türkische Südküste.

Dazu interviewt sie zum Beispiel das Prostituiertengefolge der Bautrupps und frühere, vertriebene Anwohner der Trasse. Die Projektion "Casio, Seiko, Sheraton, Toyota, Mars ..." des Amerikaners Sean Snyder nimmt die weltumspannende Hegemonialmacht der Marken und Medien ins Visier.

Hingegen ist der "begehrte Ort" der Israelin Yael Bartana ein Schauplatz für rituelle Einnahme des eigenen gelobten Landes sowie für maskulines Balzgehabe.

Ihr starkes Video "Kings of the Hill" zeigt junge Männer, die im Abendlicht am Strand auf halsbrecherische Fahrweise steile Dünen in Jeeps bezwingen - ein dramatisches, auch beklemmendes Spektakel. Was soll's? "This Wall is My Wall", sagt sich Dan Perjovschi aus Rumänien (art 1/2007) und bedeckt eine ganze Wand mit witzigen Zeichnungen und Sprüchen zur Lage von Welt und Kunst. Links unten weisen zwei Pfeile über den Rand hinaus. Denn - so schreibt er mit schwarzem Edding: "art has no limits." JÜRGEN HOHMEYER Termin: bis 6. Mai. Internet: www.kunstverein.de

JÜRGEN HOHMEYER