Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 127

Empörung über "Wüstenlouvre"

Von Barbara Markert

Projekt II: 300 Leihgaben aus Frankreich für Abu Dhabi

Die Wellen der Entrüstung schlugen hoch in Paris, als bekannt wurde, dass der Louvre in Zusammenarbeit mit der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate bis 2012 in Abu Dhabi ein Museum errichten will, das vorerst ebenfalls den Namen Louvre tragen wird. Rund 300 Meisterwerke aus dem Pariser Museum und anderen nationalen wie regionalen französischen Kunsthäusern sollen hier ab 2012 gezeigt werden. Die einzelnen Werke sollen voraussichtlich für eine Dauer von zwei Monaten bis zwei Jahren "vermietet" werden. Für die Beratertätigkeiten der Louvre- Experten beim Aufbau einer eigenen Museumssammlung sowie für die Leihgaben wollen die Emirate rund 500 Millionen Euro an die französischen Museen zahlen.

Empört über diese Pläne initiierte die frühere Direktorin der staatlichen französischen Museen, Françoise Cachin, zusammen mit Kollegen und mit Unterstützung der Kunstwebsite "La Tribune de l'Art" eine Petition gegen das Projekt "Wüstenlouvre". Schon nach wenigen Tagen hatten über 2000 Franzosen unterzeichnet.

Françoise Cachin und ihre Anhänger befürchten, dass durch die langfristigen Leihgaben gegen Geld der Louvre "seine Seele verlieren" würde und diesem Projekt noch "Schlimmere" folgen könnten.

"Es gibt eine ethisches Maß, das nicht überschritten werden sollte: Die Werke können für kurze Zeit gratis verliehen, aber nicht vermietet werden," so Cachin.

Allerdings hat der Louvre bereits vergangenes Jahr für eine stattliche Summe 185 seiner Meisterwerke dem High Museum of Art in Atlanta für elf Monate überlassen (art 4/2006).

Henri Loyrette, Direktor des Pariser Louvre, verteidigt indes die Strategie seines Hauses. Die Geld einnahme sei wichtig, doch vor allem gehe es dem Louvre um in ternationale Präsenz. "Die Eremitage in Sankt Petersburg und auch das British Museum in London agieren international. Da können wir es uns einfach nicht leisten, abseits zu stehen."

Wer das größte Werk des spanischen Malgenies Francisco de Goya (1746 bis 1828) betrachten will, muss den Kopf tief in den Nacken legen. Das Fresko "Die Königin der Märtyrer" befindet sich in mehr als dreißig Metern Höhe.

Goya malte das 212 Quadratmeter große, rundumlaufende Kuppelbild, das Maria im Himmel zeigt, verehrt von rund 20 Heiligen und Märtyrern, 1780/81 für die Basílica del Pilar in Zaragoza. Da die Stadt im Nordosten Spaniens 2008 die Weltausstellung ausrichtet, hat die Landesregierung von Aragón die auf 800 000 Euro angesetzte Restaurierung des ramponierten Werks (hier Ausschnitte während und nach der Restaurierung) angeordnet.

Goya kam seinerzeit auf eine durchschnittliche Tagesleistung von fünf Quadratmetern Malerei.

Die Restauratoren schaffen pro Tag knapp zehn Quadratzentimeter.

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