Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 128-129
Wuchtiges Abendmahl
Von G P
Eindrucksvoll: Die Monografie zum Werk des Barockmalers Franz Anton Maulbertsch Ein Buch mit eigenem Schicksal: Franz Martin Haberditzl (1882 bis 1944), Förderer von Egon Schiele, Direktor des Belvedere in Wien und einer der großen Museumsleiter Österreichs, musste 1938 auf Druck der Nationalsozialisten sein Amt aufgeben.
Verfemt emigrierte er in eine andere Zeit, arbeitete über den Barockmaler Franz Anton Maulbertsch (1724 bis 1796). Erst jetzt, mehr als sechzig Jahre später, konnten seine Forschungen herausgegeben werden. Dem malerischen Genie im Österreich des 18. Jahrhunderts war es in seinen Fresken gelungen, die Kirchenmauern zu "entmaterialisieren", sie in Licht und Farbe durch - lässig zu machen für die Weite des Himmels. Zentrale Themen der christlichen Heilsgeschichte fanden in Maulbertschs wuchtiger Malerei und in Haberditzls sprachlicher Gestaltung zu großer Eindringlichkeit: "Das Martyrium des heiligen Andreas ... ist phantastischer, aufregender im Zerren, Zupacken, Zudrängen, Hin- und Herhuschen." Das Buch bezeugt die kongeniale Begegnung eines Malers mit einem Kunsthistoriker von Rang. G. P.
Franz Martin Haberditzl: Franz Anton Maulbertsch (1724-1796).
Christian Brandstätter Verlag.
432 S., zirka 400 Abb., 49,90 Euro
