Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 129
Suche nach der Schönheit
Von Stefan Koldehoff
Lange erwartet: Gerhard Richter hat den Atlas seiner Bildvorlagen aktualisiert und neu herausgegeben BUCH DES MONATS
Die Motive seiner Bilder, so hat Gerhard Richter immer wieder betont, seien ihm nicht um ihrer selbst willen wichtig. Er sei auf der Suche nach Schönheit: "Ich finde die irgendwie. Ich gehe nicht durch die Zeitungen und suche schöne Bilder, aber die fallen mir dann auf." Kein Künstler hat die ewige Suche nach Schönheit so akribisch dokumentiert wie Richter. Anfang der sechziger Jahre benutze er zum ersten Mal Fotografien als Vorlagen für seine Gemälde.
Etwa zur gleichen Zeit entschied sich der Maler (Jahrgang 1932) dann auch, seine Suche nach dem Schönen zu dokumentieren.
1962 begann er damit, systematisch seine Bildvorlagen - benutzte wie unbenutzte - auf Pappen aufzukleben.
Rund 4000 Fotos, Skizzen und Collagen hat Gerhard Richter bislang auf diesen 783 nummerierten und von ihm datierten Kartons in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten versammelt. Entstanden ist dabei ein kontinuierliches, enzyklopädisches Werk, das immer noch fortgeschrieben wird und das Gerhard Richter regelmäßig preisgibt: in zahlreichen Ausstellungen auf der ganzen Welt und in einer Buchpublikation, die zuletzt 1997 aufgelegt wurde, inzwischen längst vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen ist.
Nun endlich liegt eine Neuausgabe vor, die sämtliche Bildtafeln von 1962 bis 2006 enthält. Wie kein anderer Künstler ge währt Richter damit Einblick in seinen Schaffensprozess und verweigert ihn in letzter Konsequenz dann doch wieder.
Denn was genau den Künstler an welchem Bild einmal interessiert hat, verrät der "Atlas" nicht. Das Geheimnis der Schönheit bleibt bei aller Offenheit gewahrt.
Gerhard Richter: Atlas. Text von Helmut Friedel. Verlag der Buchhandlung Walther König.
864 S., 785 Abb., 49,80 Euro
