Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 125
Keine Popelmannsmesse
Von
Messen: Die "Art Karlsruhe" setzt auf den europäischen Markt
Erst belächelt, jetzt doch ernst genommen: Vom 22. bis 25. März findet zum vierten Mal die "Art Karlsruhe" statt. art-Korrespondentin Adrienne Braun hat mit Messegründer und Projektleiter Ewald Karl Schrade gesprochen. art: Die "Art Karlsruhe" geht in die vierte Runde, ist das Vorurteil, Provinz zu sein, ausgeräumt?
Schrade: Wieso Provinz? Karlsruhe hat eine große Museumslandschaft und mit dem ZKM sogar eine der wichtigsten Institutionen.
Von der Einwohnerzahl her ist die Stadt vielleicht keine Weltmetropole, aber es gibt eine sensationelle Verkehrsanbindung.
Also war der Standort strategisch gewählt?
Messen können fast überall sein - wenn sie gut sind. Warum also nicht in Karlsruhe? Auch der Wandel bei der Kölner Messe hat sich günstig ausgewirkt. Während sie amerikanisiert wurde, setzen wir mehr auf die Europäisierung.
Messen Sie sich mit der "Art Cologne" oder der "Art Basel"?
Wir versuchen uns auf Augenhöhe zu nähern, wobei die Betonung auf nähern liegt und nicht auf Augenhöhe. Basel deckt die ganz hohen Preise ab, so dass unser Konzept aufgegangen ist:
Klassische Moderne und gleichgewichtig zeitgenössische Kunst in der mittleren Preisebene.
Wie gewinnen Sie namhafte Galeristen zur Teilnahme?
Ich bin ja nicht neu im Geschäft.
Die Kollegen kennen mich. Die, die am Anfang das Wagnis eingegangen sind, haben außerdem positive Erfahrungen gemacht. So etwas spricht sich rum.
Dass man in Karlsruhe das große Geld machen kann?
Ich will nicht so arg auf den Putz hauen - aber man ist mit den Geschäften zufrieden. Es ist nicht so, dass jeder mit Reichtum geht.
Aber wir versuchen auch, die Galeristen gut zu bedienen, das ist ja nicht überall so.
Wie hoch ist die Standmiete?
Zwischen 60 und 120 Euro pro Quadratmeter, je nachdem, ob Skulpturen, Gemälde oder eine One-Man-Show gezeigt wird.
Wer kauft? Die üblichen Sammler oder ein neues Publikum?
Es geht nicht, durch eine weitere Messe den Kuchen in noch kleiner Stücke zu teilen. Wenn alle an den bekannten Sammlern rumnagen, ist es witzlos. Deshalb muss man den Kreis erweitern. Durch die Popularisierung der Kunst kommen auch Erstbesucher, die auch mal etwas kaufen.
Ist das für die Galerien nicht ein mühsames Geschäft?
Wenn nur Käufer kämen, wäre es auch trostlos. Das schauende Publikum ist auch wichtig. Aber die Region hat auch jede Menge Sammler. Es war die Frage, ob die die "Art Karlsruhe" als Popelmannsmesse abtun würden.
Nach dem zweiten Mal haben sie sie ernst genommen.
