Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 123

Kleider für die Himmelfahrt

Von Kirsten Einfeldt

Fund: Frida Kahlos Garderobe in Mexiko entdeckt

Mich zu kleiden ist meine Weise, mich auf die Reise in den Himmel vorzubereiten" erklärte die für ihren exzentrischen Geschmack berühmte mexikanische Malerin Frida Kahlo (1907 bis 1954). Männeranzüge, aufwändig bestickte Blusen der südmexikanischen Tehuana-Frauen, traditionelle Seidenschals in knalligen Farben, bunt bestickte Schuhe - kaum ein Kleidungsstück war sicher vor Kahlos unbändiger Lust an der Selbstinszenierung. Über 50 Jahre nach dem Tod der Künstlerin machten die beiden Textilrestauratorinnen Magdalena und Denise Rosenzweig eine auf regende Entdeckung: Als die beiden Frauen gemeinsam mit Hilda Trujillo, der Direktorin des Kahlo-Museums "Casa Azul" einen lange unbeachteten Wandschrank im Bad des ehemaligen Wohnhauses der Malerin in Mexiko-Stadt öffneten, schlug ihnen beißender Schimmelgeruch entgegen. Doch die Damen ließen sich nicht abschrecken, schauten tiefer in den Schrank und fanden fast 300 Blusen, Röcke und Schuhe - Kahlos Garderobe mit wertvollen Einzelstücken aus Mexiko, Europa und Asien.

"Frida Kahlo hatte einen guten Geschmack", erklärt die Anthropologin Marta Turok, die die Herkunft der meisten Kleidungsstücke bestimmt hat. "Sie liebte feine Stoffe, Samt und Seide." Nach einem Unfall als Jugendliche trug die Kahlo ein Gipskorsett, das sie gern mit weiten Folkloreblusen kaschierte. Ihre nach einer Kinderlähmung unterschiedlich gewachsenen Beine versteckte sie meist unter langen Röcken. Der Großteil ihrer wiederentdeckten Kleidung ist inzwischen restauriert worden. Modellpuppen, die alle drei Monate andere Kleiderkombinationen tragen, präsentieren nun in der "Casa Azul", wie Kahlos Vorbereitungen für ihre Himmel fahrt aussahen.