Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 123

Krönung für ein Shoppingcenter

Von Stefan Scholl

Plan: Statue soll in Moskau wieder aufgestellt werden

Vera Muchinas "Arbeiter und Kolchosbäuerin", eine der berühmtesten Skulpturen der alten Sowjetunion, soll nach dem Willen der Stadt Moskau wieder öffentlich aufgestellt werden. Das 24 Meter hohe Duo krönte auf der Pariser Weltausstellung 1937 den sowjetischen Pavillon. Später stand es jahrzehntelang auf dem Gelände der "Allunionsausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft" in Moskau. Vor allem aber wurde der Klassiker des Sozialistischen Realismus zum Markenzeichen des sowjetischen Kinos: Arbeiter und Kolchosbäuer in glänzen im Vorspann jedes Spielfilms, den "Mosfilm", das größte Kinostudio in der UdSSR, produzierte.

2003 dann wurde das verrottete Hammer und Sichel schwingende Pärchen aus 80 Tonnen nicht rostendem Stahl zur Renovierung demontiert. Aber obwohl die Stadt Moskau 30 Millionen Rubel (870 000 Euro) bereitstellte, liegen Proletarier und Bäuerin noch immer unsaniert in einer Moskauer Fabrikhalle. Ein Teil des Geldes indes soll längst in dunklen Kanälen versickert sein.

Doch nun will sich der 65- jährige russische Bildhauer Vadim Zerkownikow an die Renovierung machen. Bürgermeister Jurij Luschkow, bekannt als Liebhaber von Monumentalskulpturen, versichert, die Aufstellung werde in zwei Jahren perfekt sein.

Moskaus Stadtplaner haben für die beiden ehernen Arbeitshelden auch schon einen Platz ausgeguckt:

In Zukunft sollen Arbeiter und Kolchosbäuerin ein riesiges Einkaufszentrum in Moskau- Ostankino krönen.