Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 124

Verhökerte Geschenke

Von Claudia Bodin

USA: Museum in Buffalo versteigert 200 Stücke der Sammlung

Als die Albright-Knox Art Gallery in Buffalo ankündigte, dass sie 200 Stücke aus ihrer Sammlung bei Sotheby's versteigern wird, klang es ein wenig so, als ob das Tafelsilber der Großtante verscherbelt werden soll. Unter anderem kommen europäische Altmeister-Gemälde sowie wertvolle Antiken aus Afrika, China und Indien ab März unter den Hammer. Einnahmen von mehr als 15 Millionen Dollar (rund 11,6 Millionen Euro) werden bei dem Verkauf erwartet. Ein Großteil der Objekte wurde dem 1862 gegründeten Museum in den dreißiger und vierziger Jahren gespendet.

Sie würden einfach nicht in die Sammlung passen, beteuerte die Museumsleitung. Der zu erwartende Geldsegen soll dafür verwendet werden, moderne und zeit genössische Arbeiten zu kaufen.

Teile der Sammlung zu veräußern gilt in Amerika als gängige Geschäftspraxis. Sei es, um die Bilanzen aufzubessern oder um Geld für Neuerwerbungen aufzubringen.

So ließ das Los Angeles County Museum ein Modigliani-Porträt versteigern, um einen Anbau zu finanzieren und das Art Institute of Chicago verkaufte ein Chagall-Gemälde aus der Sammlung (art 12/2006).

An die große Glocke hängen die US-Museen ihren Ausverkauf ungern. Denn abgestoßen werden oft Arbeiten, die dem Museum einst gespendet wurden.

Und wer macht schon gern Geschenke, wenn diese irgendwann wieder verhökert werden? In dem umfangreichen Strategieplan des Albright-Knox Art Museum ist zwar von "institutioneller Kreativität" und "aggressiver Anwendung neuer Technologien" die Rede, über Großverkäufe aus der Sammlung schweigt man sich aus.

Statt dessen werden potentielle Gönner mit Plänen für ein neues Haus geködert, natürlich entworfen von einem "Weltklasse- Architekten" - und das kostet bekanntlich sehr viel Geld.