Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 126
Gute Sitten eingefordert
Von Merten Worthmann
Museen: Ministerin gibt Leitfaden für Spaniens Kunsthäuser aus
Spanien hat in den vergangenen Jahrzehnten mehr Geld in Kunsthallen und Museen für zeitgenössische Kunst investiert als je - des andere europäische Land. Unter Franco gab es kaum Häuser für Modernes. Mittlerweile sind es knapp 200. Wider institutionellen "Wildwuchs" hat Kulturministerin Carmen Calvo nun "Buenas Prácticas" herausgegeben, eine Art Leitfaden für gute Sitten im Museumsbetrieb.
Denn immer wieder hatten sich Museumsleute über politische Einflussnahme beklagt:
Kultur ist in Spanien vor allem Ländersache. Da die autonomen Regierungen in ihren Museums neubauten vorrangig regionale Prestigeprojekte sehen, zählt für sie politische Kontrolle mehr als Kulturförderung.
Calvos Leitfaden fordert nun ein klares "künstlerisches Konzept" für jedes Haus, einen gut aufgestellten Aufsichtsrat und einen Direktor, der nach einer öffentlichen Ausschreibung von einem Fachgremium gewählt wird.
Bisher konnten die Chefs vieler Museen von der jeweiligen Landesregierung ein- und abgesetzt werden. Da zählten gute Beziehungen oftmals mehr als Können und Sachverstand.
Um Spott zu vermeiden, will Kulturministerin Calvo erst einmal ihr eigenes Haus auf Linie bringen: das Madrider Museum Reina Sofía. Bisher hat dort noch jeder Regierungswechsel auch einen Direktorenwechsel bedeutet.
So bekam auch die aktuelle Chefin Ana Martínez de Aguilar ihren Chefposten nach alter Sitte:
Carmen Calvo verpflichtete sie nach ihrem eigenen Amtsantritt.
