Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 8-9

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EINE LISTE Architekturvergleiche, die wir nicht mehr lesen wollen: "Der Bau sieht aus wie ..." 1. ... ein frisch gelandetes Ufo 2. ... ein monumentaler Lippenstift 3. ... eine gigantische Gurke 4. ... eine futuristische Waschmaschine 5. ... eine überdimensionale Muschel 6. ... ein stolzes Kreuzfahrtschiff 7. ... ein großes Tortenstück

MINI-ESSAY Schon Umberto Eco stellte fest, dass im Ge gensatz zum protestantischen PC der Apple Macintosh katholisch sei: "Das Wesen der Offenbarung wird in verständliche Formeln und prächtige bunte Ikonen gefasst." Wie viel religiöses Potenzial ein Designobjekt haben kann, demonstrierte Apple-Chef Steve Jobs nun bei der Einführung des neuen Superhandys iPhone in San Francisco.

Wie ein Prediger ging er auf und ab, asketisch in Jeans und Pulli gekleidet. Er zelebrierte lauter Lösungen, letztlich Erlösung durch Technik: Das iPhone kann so ziemlich alles, was der Mensch nicht kann. "Wir schreiben Geschichte" - hallelujah!

Wer in diesem Jahr über die Kölner Möbelmesse ging, konnte verzweifeln. Nirgends ein großer Zukunftsentwurf, statt dessen herrschte überall Beliebigkeit. Die Kinder der Postmoderne mixen eckig und rund, minimalistisch und erzählerisch wild durcheinander. Es brauchte zwei Altmeister, um die Verhältnisse gerade zu rücken. Mit zwei modellhaften Idealhäusern inszenierten die irakisch-englische Architektin Zaha Hadid und der japanische Designer Naoto Fukasawa einen Showdown von dogmatischen Designkonzepten: Bei Hadid waren alle Wände verzogen, und es fand sich kein rechter Winkel. Bei Fukasawa war alles gerade und sauber. Entscheiden Sie sich!

Der Kunstlehrer David Barsalou aus Chicopee bei Boston kann es nicht lassen: Seit 1979 widmet er sich seinem Projekt Deconstructing Roy Lichtenstein. Rund 140 Bilder aus alten Comics hat er gesammelt und den Arbeiten des Pop-Art-Meisters gegenübergestellt, um zu zeigen, dass der gnadenlos abgekupfert hat. "Ich verstehe das als Beitrag zur Kunstgeschichte", sagt er. Vielleicht interessiert ihn ja, dass genau das Lichtensteins Konzept war.

Internet: www.davidbarsalou.homestead.com/lichtensteinproject.html

MINI-SERIE - TEIL 2 Wo geht's hier bitte nach Meese?

Humorlos, kinderfeindlich und total unspannend:

So könnte man sich den Job als Museumswärter vorstellen. "Stimmt gar nicht", sagt Gesine Röhrig, 30, die jahrelang als Studentin in den Hamburger Deichtorhallen jobbte. "Man kann herrlich beobachten - die Leute zum Beispiel." Hier ist ihre ganz persönliche Besucher-Typologie:

Lehrer/innen Verlangen Ermäßigung und ein Faltblatt mit Erläuterungen.

Beschweren sich über Eintrittspreis, den Audio-Guide und laute Kinder. Dozieren gern von früher, als ein Stehplatz im Schauspielhaus noch 50 Pfenning gekostet hat. Bestellen im Café simplen Filterkaffee, den man ja heutzutage schwieriger bekommt als weiland Valuta in der DDR und weigern sich standhaft so neumodisches Zeugs wie Latte Macchiato anzurühren - noch dazu für drei Euro achtzig das Glas!

Frühkindliche Erzieher Elternpaar Mitte 30 plus Säugling. Schleppt den Wurm ins Museum und hofft, dass kulturelle Atmosphäre und optische Eindrücke zu multiplen Synapsenschaltungen und Hochintelligenz führen. Ungeniertes Kampfstillen (Brust raus, Kind ran) im vollen Café inbegriffen. Wenn das Kind älter wird, lassen sie es durch die Rodin-Ausstellung krabbeln und freuen sich, wenn es sich an den Sockeln hochzieht, um die ersten Schritte zu tun. Reagieren bei Ermahnung völlig verständnislos und wittern überall Kinderfeindlichkeit.

Alles über Schwätzer, Grapscher, Singles & Co in den nächsten Heften

EINE ZAHL 480 000 Dollar war einem anonymem Sammler ein Autogramm von Michelangelo wert. Bei Sotheby's in New York ersteigerte er eine Quittung, die der Renaissance-Bildhauer seinen Mitarbeitern Pietro Urbano und Federico Frizzi am 26. Oktober 1521 ausgestellt hatte. Diese waren an der Fertigstellung einer marmornen Christus-Skulptur beteiligt, die bis heute in der römischen Kirche Santa Maria Sopra Minerva zu sehen ist.

MINI-KRITIK Zerissene Puppen, Fotos missgebildeter Babys, Tony Blair wäscht seine Hände in Blut, ein Plakat schreit "Lügner". Eindrucksvoll hat der englische Künstler Mark Wallinger in der Tate Britain die 40 Meter lange Protestwand nachgebaut, mit der Friedenskämpfer Brian Haw fünf Jahre lang - nur wenige Gehminuten von der Tate entfernt - vor dem Parlament gegen den Irakkrieg demonstrierte. Wallingers Installation State Britain (bis 27.

August) thematisiert die Grenzen politischen Protests im 21.

Jahrhundert. So durchschneidet ein schwarzer Streifen auf dem Fußboden das Werk. Er markiert die frisch erlassene Bannmeile, die sich in einem Radius von einem Kilometer ums Parlamentsgebäude zieht. Der Schutzraum ermächtigte die Polizei schließlich dazu, die unliebsame Plakatwand wegzuräumen. Genau genommen ist Wallingers Installation also halb Kunst, halb kriminell.

Eine Anzeige gab es bislang nicht. Ist das Museum etwa einer der Orte, wo Protest heute noch möglich ist?

"O loderndes Feuer, brennendes Rom!", soll Nero gerufen haben, als er sah, wie die von ihm entfachten Flammen die Ewige Stadt verschluckten. Die Dänin Thyra Hilden und der Argentinier Pío Díaz setzten als Teil ihres Projekts City on Fire das Kunstmuseum ARoS im dänischen Aarhus in Brand - mit einer 1000-Quadratmeter-Projektion. Ihr Anliegen: weg mit zerstörerischen Kräften der westlichen Welt - her mit einem Neubeginn, einem Phönix aus der Asche.

Zum Kanon des fundierten Halbwissens gehören auch Kunst, Design und Architektur. So verwundert es nicht im Geringsten, dass die neue, den neunziger Jahren gewidmete Edition von Trivial Pursuit von insgesamt rund 1800 Fragen etwa zehn diesen Gebieten widmet. Testen Sie selbst, ob Sie im Ernstfall die Antworten wüssten:

1. Wem übergab Sir Norman Foster einen symbolischen Schlüssel für den umgebauten Reichstag?

2. Von wem stammt das teuerste Bild des Jahres 1998, Selbstbildnis ohne Bart, das Christie's in New York versteigerte?

3. Nach welchem Künstler war das Virus benannt, das im März 1992 die Computerbranche verunsicherte?

4. Welcher Modeschöpfer warb mit einem nachgestellten Abendmahl- Bild für seine Jeans-Kollektion?

5. Mit welcher Designschmiede produzierte Philips in Kooperation einige modische Toaster?

6. Welcher "Meister aus Delft" malte die Gemälde, die 1996 in Den Haag rund 438 000 Besucher sehen wollten?

7. Welches Museum wurde am 14. Juni 1994 von Bundeskanzler Kohl in Bonn eröffnet?

8. Welcher Plastinator polarisierte mit seinen Ausstellungen und Arbeitsweisen nicht nur die Kunstwelt?

Auflösung: 1. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, 2. von Vincent van Gogh, 3. nach Michelangelo, 4 . Otto Kern, 5. mit Alessi, 6. Johannes Vermeer, 7. Das Haus der Geschichte, 8. Dr. Gunther von Hagens

Daniel Libeskind macht schwindelig - zumindest seine neue, spitzstachelige Erweiterung des Denver Art Museum. Seit der Eröffnung im vergangenen Herbst beschweren sich immer wieder Besucher darüber, dass ihnen beim Betrachten der Kunst schlecht wird. Und tatsächlich bewegen sich im Innenohr kleine Kristalle, wenn man schräge Wände entlang blickt. Schiefe Wände und Treppen verstärken den Effekt, was Augen und Magen durchaus Probleme bereiten kann.

"Sleepwalkers" - Schlafwandler - ist eine Hommage an New York, die Stadt, die angeblich ja niemals schläft. Der kalifornische Künstler Doug Aitken projizierte sie an drei Außenwände des New Yorker Museum of Modern Art. Und weil er für das kryptische, aber durchaus schöne Werk Größen wie Donald Sutherland und Tilda Swinton engagierte und auch er kein Unbekannter ist, war die Resonanz entsprechend: groß.

Ein kathedralenhafter Raum, überall chinesische Zeichen und westliche Firmen- und Produktnamen: McDonald's, Bacardi Breezer, Citibank. Mit der Fotoarbeit Competition will der chinesische Künstler Qingsong Wang gegen die Konsumgeilheit seiner Landsleute protestieren. Die be eindruckende Fotografie ist noch bis zum 7. Oktober in der Ausstellung "China: Past, Present & Future" der Kunsthalle Memmingen zu sehen.

Messias der Benutzeroberfläche: Steve Jobs präsentiert das iPhone von Apple vor enthusiastischen Zuschauern in San Francisco

Biologisch-dynamisches Design für schwindelfreie Bewohner: der Hausentwurf von Zaha Hadid auf der Möbelmesse

Ewiger Traum der weißen Moderne, eine klare, geordnete Wohnwelt: "Ideal House" von Naoto Fukasawa

Zaha Hadid

Naoto Fukasawa

Original-Comic und Meisterwerk von Lichtenstein

Halb Kunst, halb kriminell: Mark Wallinger vor "State Britain"

Die Videoinstallation "ARoS on Fire" kleidet das Kunstmuseum von Aarhus in Flammen

Viel heiße Luft, auch im Foyer des dänischen Kunsthauses Thyra Hilden und Pío Díaz in ihrem lodernden Inferno

Kennen Sie die neunziger Jahre?

Ratekarten aus der neuen Ausgabe von "Trivial Pursuit"

Die schiefen Wände, Ebenen und Treppen im Denver Art ...

Heute mal mit Ohr? Die "Action Figure" Vincent van Goghs hat zwei Köpfe zur Auswahl

... Museum belasten den menschlichen Gleichgewichtssinn

Den biegsamen Spielkameraden Vincent van Gogh gibt es nun für 10 Euro bei www.klangundkleid.de/toys/actionfigures/