Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 118
Steuerschulden mit Kunst bezahlt
Von Manfred Schwarz
Museen: Bonner Sammlung erhält Arbeiten von August Macke
Vor kurzem konnte das Kunstmuseum Bonn ein besonderes Geschenk in Empfang nehmen: Sechs hervorragende Arbeiten des rheinischen Expressionisten August Macke (1887 bis 1914), die schon seit längerem als Leihgaben eines ungenannten privaten Sammlers den Museumsbestand zieren, werden nun als Dauerleihgaben in die Sammlung übernommen.
Es handelt sich dabei nicht nur um einen Glücksfall für das Museum, sondern vielleicht so gar um ein schulemachendes Exempel: Denn die Macke-Arbeiten, deren Wert auf eine halbe Million Euro geschätzt wird, wurden "an Zahlungs Statt" für fällige Steuerforderungen von der nordrhein-westfälischen Landesregierung angenommen. In Absprache mit dem Finanzministerium hat sich die Staatskanzlei auf den Paragraphen 224a der Abgabenordnung bezogen, der dies bei privaten "Kulturgütern von besonderem öffentlichen Interesse" erlaubt. Während in anderen Ländern auf diesem Wege viele Kunstschätze in die öffentliche Hand kamen, wird er in der Bundesrepublik eher selten beschritten.
Da bei bietet diese Regelung darbenden Museen eine Chance, ihre Bestände zu ergänzen.
Im Kunstmuseum Bonn, dessen Sammlung einen Schwerpunkt im Werk August Mackes hat, ist man glücklich: Die sechs Arbeiten - die Zeichnungen "Junger Pierrot" (1913), "Kran am Hafen", "Araberjunge" sowie "Esel und Dromedare" (alle von 1914), das Pastell "Farbkomposition" (1913) und das Aquarell "Blick auf unsere Straße im Frühling" (1912) - sind nicht nur von hervorragender Qualität, sondern überdies auch verbunden mit wichtigen Lebensstationen des Bonner Malers.
So enstanden drei der Zeichnungen während der legendären Tunis- Reise August Mackes im Jahr 1914.
