Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 119
"Charaktervolle Identität"
Von Susanne Altmann
Umbau: Sowjet-Pavillon soll Holocaust-Museum werden
Der renommierte Hamburger Architekt Meinhard von Gerkan soll in Leipzig ein Holocaust- Museum bauen. Seit Jahren ringt die Stiftung Deutsches Holocaust- Museum um einen Standort für ihr Vorhaben und meint ihn nun gefunden zu haben: den ehemaligen sowjetischen Pavillon auf dem alten Messegelände, den die Stadt Leipzig der Stiftung zur Verfügung stellt. Doch dieses Gebäude - bis 1989 begannen hier alle Messerundgänge der Partei- und Staatsführung der DDR - hat nicht nur eine besondere Geschichte, es steht auch teilweise unter Denkmalschutz. Die 1924 von Oskar Pusch für den Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken entworfene, rund 20 000 Quadratmeter große Halle, wurde in den fünfziger Jahren zum sowjetischen Ausstellungsgebäude umgebaut. Seither strahlt auf der Turmspitze über dem Eingangsportal ein Sowjetstern.
Museumsinitiator Hans-Jürgen Häßler, Archäologe aus Hannover und Vorsitzender der Stiftung, sieht keine Probleme bei der geplanten Umnutzung des Messepavillons in ein Dokumentationszentrum des NS-Terrors. Er hält den Ort gerade "wegen seines historischen Kontextes" für hervorragend geeignet. Auch Baumeister von Gerkan betrachtet das Geschichtsrelikt durchaus als gute Ausgangsbasis: "Diese charaktervolle Identität zwingt zu Respekt und führt mich nicht in Versuchung, ein solch komplexes Thema baulich zu illustrieren." In vier Jahren soll das neue Holocaust-Museum in Leipzig eröffnet werden. Über die Kosten will Stiftungsvorsitzender Häßler allerdings nicht reden, muss doch die Finanzierung über Sponsoren laufen. Denn die Bundesregierung verweigert mit dem Hinweis auf bereits bestehende KZ-Gedenkstätten sowohl ideelle als auch finanzielle Unterstützung.
