Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 122

Skalpell bitte!

Von Kerstin Schweighfer

Forschung: Rembrandt-Werk aus chirurgischer Sicht

Für Diskussionsstoff unter Chirurgen hatte es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gesorgt. Aber jetzt wurde "Die Anatomiestunde des Doktor Tulp", das berühmte Rembrandt-Gemäl de aus dem Haager Mauritshaus, sogar teilweise real nachgespielt:

Am Arm eines toten 41-jährigen Mannes prüften vier Ärzte der Groninger Universitätsklinik, ob Rembrandt Harmensz. van Rijn in dem 1632 gemalten Bild tatsächlich alles wirk lichkeitsgetreu wiedergegeben hat.

Ergebnis: Mit der Anatomie hat es der Meister an einigen Stellen nicht so genau genommen. So hat er an der Unterseite des Armes einen Muskel mehr gemalt. Auch das Muskelbündel, das Doktor Tulp in die Zange nimmt, ist größer ausgefallen, als es sich gehört.

Zudem hat Rembrandt die Position dieser Fingerbeugemuskeln verändert und weißes Gewebe abgebildet, das nicht eingeordnet werden konnte: "Eventuell geht es um die anatomische Variante eines Nervs, der zum kleinen Finger und Ringfinger führt", erläutert Frank IJpma, einer der Chirurgen.

Damit ist das Meisterwerk wohl keine realistische Momentaufnahme jener Anatomiestunde vom 31. Januar 1632, als der Vorsitzende der Amsterdamer Chirurgengilde Doktor Nicolaas Tulp an der Leiche eines hingerichteten Verbrechers sein Können demonstrierte.

"Das überrascht uns nicht", sagt Konservator Quentin Buvelot vom Mauritshaus. Anatomie habe Rembrandt zwar interessiert, doch ausschlaggebend sei für ihn der künstlerische Gesamteindruck gewesen.

KERSTIN SCHWEIGHÖFER