Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 92
Wohnwelten zwischen Wänden
Von Katherina Koester
Das Vitra-Design-Museum zeigt Wohn-Trends des 20. Jahrhunderts WEIL AM RHEIN: ZERSTÖRUNG DER GEMÜTLICHKEIT?
Zu kalt, zu klinisch, zu industriell, klagten die Kritiker des Bauhaus- Stils in der Zeit der Weimarer Republik. Möbel wie Marcel Breuers berühmte hinter beinlose Freischwinger mit ihren Stahlrohrrahmen sorgten damals für Kopfschütteln - heute hingegen sind sie ge feierte Design-Klassiker und äußerst beliebte Wartezimmersitze.
Wie Wohnideale sich wandeln können, zeigt das Vitra-Design-Museum nun mit der Ausstellung "Zerstörung der Gemütlichkeit?" - einem Rückblick auf 16 weg weisende Wohnausstellungen der vergangenen 100 Jahre: darunter Meilensteine wie die Werkbund-Ausstellung "Die Wohnung", 1927 in Stuttgart, Verner Pantons "Visiona 2", 1970 auf der Möbelmesse in Köln und die Ausstellung "Design heute", 1988 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main.
Ausstellungskurator Jochen Eisenbrand wählte als "letzten markanten Einschnitt" die in Witz und Schlichtheit revolutionären Möbel der niederländischen Gruppe "Droog", die 1993 auf der Mailänder Möbelmesse internationalen Ruhm erlangten.
Seitdem ist kaum noch eine vorherrschende Stilrichtung auszumachen.
Während sich private Wohnvorlieben nur langsam ändern, offenbaren die ausgestellten Zeichnungen, Fotos, Plakate und Kataloge von Wohn-Schauen die Extreme der häuslichen Entwicklungen. In chronologischer Reihenfolge sind sie auf die vier Räume in Frank O. Gehrys Museumsbau verteilt. Ergänzend dazu stehen komplette Interieurs auf Podesten: rund 160 Möbel und Leuchten aus Mustersiedlungen und Schauwohnungen - von Josef Hoffmann und Le Corbusier bis zu Verner Panton und Ron Arad. Mit dabei: die ersten Serienmöbel, Bausätze und Multifunktionsmöbel. Neben Stücken der museumseigenen Sammlung sind Leihgaben aus dem Zürcher Museum für Gestaltung, dem Frankfurter Museum für Angewandte Kunst und dem Darmstädter Institut Mathildenhöhe zu sehen.
Die zentralen Fragen der Ausstellung lauten titelgemäß: Was macht einen Raum gemütlich, und wie hat sich dieser urdeutsche Begriff im letzten Jahrhundert gewandelt? Fest steht, dass die beteiligten Designer und Architekten für ihre innovativen Wohnvisionen kontinuierlich mit neuen Werkstoffen wie Stahl, Sperrholz und Kunststoff experimentierten und dabei immer wieder die gängigen Einrichtungsvorstellungen infrage stellten.
Termin: bis 28. Mai. Internet: www.design-museum.de
