Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 93

Wieder vereint: das Gold der Frankenzeit

Von Vladimir Esipov

Eine Ausstellung zeigt Objekte aus der "Beutekunst" - und Leihgaben aus Berlin MOSKAU/ST. PETERSBURG: MEROWINGERZEIT

Deutsche Frage, russische Antwort. Ein Wort, vier Buchstaben: "njet", zu Deutsch: nein. Die Frage war und bleibt noch immer nach der Rückgabe der Kunstschätze, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland verschleppt wurden. Denn de jure war Abtransport von Kunstsammlungen ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Die Grundlage für die knappe Antwort: Russland hat noch 1998 per Gesetz die so genannte Beutekunst zu seinem Eigentum erklärt. Der politische Streit schien festgefahren zu sein, als vor ein paar Jahren beim deutsch-russischen "Petersburger Dialog" eine Arbeitsgruppe der Kulturexperten mit einem Vorschlag kam, der in seiner Umsetzung als "Sensation" bezeichnet wurde: eine gemeinsame Ausstellung des "Merowingergoldes" aus den Sammlungen des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie der drei Museen in Moskau und St. Petersburg, wo die Kriegsbeutestücke seit Jahrzehnten in Depots lagen.

Nun eröffnet sie unter dem Titel "Merowingerzeit - Europa ohne Grenzen" mit mehr als 1100 Exponaten - zwei Drittel kamen erst jetzt ans Licht. Sie galten nach dem Krieg als verloren. Vier Museen haben die Ausstellung gemeinsam konzipiert und vorbereitet: Das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, das Staatliche Historische Museum und das Puschkin-Museum in Moskau sowie die Eremitage in St. Peters burg. Ausgestellt werden die Grabbeilagen aus der Zeit der Völkerwanderung in Europa, der Zeit des fränkischen Königsgeschlechts der Merowinger, zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert.

Es sind meistens Gold-, Silber- und Edelsteinfunde - vergoldete Schwertfragmente, Becher, goldene Halsringe - vieles lag jahrzehntelang in Holzkisten. Die Mehrheit der Exponate ist mit dem Zusatz versehen: "Kriegsbedingt verlagert, bis 1945 Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin". Nach zwei Monaten in Moskau wandert die Ausstellung im Juni nach St. Petersburg. Nach Deutschland wird sie gar nicht kommen, denn da würde sie - ganz nach dem deutschen Recht - konfisziert werden müssen. Die russische Antwort darauf war von Anfang an klar. Ein Wort, vier Buchstaben.

Termine: 12. März bis 13. Mai, Puschkin-Museum, Moskau; 19. Juni bis 16. September, Eremitage St. Petersburg. Katalog: Edition Minerva, 39 Euro. Internet: www.museum.ru/gmii/ und www.hermitagemuseum.org/

1. Riemenzunge mit Christusdarstellung, 2. Halbmondförmiger Anhänger, 3. Goldene Schmuckscheibe, 4. Prunkschwert mit magischem Anhänger, 5. Fingerring mit Glaseinlage, 6. Körbchenohrringpaar, 7. Anhängerkreuz einer Votivkrone, 8. Zwei Schnallen mit ovalem Bügel und kolbenförmigem Dorn, 9. Schwertfragment mit Scheidenbeschlag aus Silberblech, 10. Filigrananhänger