Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 84-86

Alle Medien, alle Kontinente

Von Almuth Spiegler

Die österreichische Privatsammlung feiert opulent ihr 35-jähriges Bestehen KLOSTERNEUBURG: SAMMLUNG ESSL

Wenn ich ein Bild wäre, würde ich am liebsten im Museum der Sammlung Essl hängen wollen." So lautet - wenig überraschend - eines der Lieblingszitate des österreichischen Kunstsammlers und Baumarkt- Millionärs Karlheinz Essl. Und stammt es doch noch dazu von niemand Geringerem als dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Was dieser in der Privatsammlung im beschaulichen Klosterneuburg nahe Wien verloren hatte? Im Mai 2006 eröffnete Weizsäcker dort die Ausstellung "Made in Leipzig", in der Essl sein Konvolut der jungen, am Markt zur Zeit so erfolgreichen Maler zeigte.

Heute sammelt Essl Kunst aus aller Welt von China über Australien bis zum Balkan. Das war einmal anders: 1972 begann er mit seiner Frau Agnes speziell Malerei aus Österreich nach 1945 zu sammeln. Nun, 35 Jahre später, umfasst ihre Sammlung mehr als 6000 Werke aller Medien und aller Kontinente. Zu diesem Jubiläum gönnen sich die Essls mit "Passion for Art" eine eigene Ausstellung mit rund 400 Werken an zwei Standorten, nämlich sowohl im Firmengebäude, wo einst alles begann, als auch im später gebauten, nahe liegenden Museum.

Dabei gehen sie aber nicht chronologisch vor, sondern "kontroversiell", worunter Essl unorthodoxe Kombinationen wie etwa den Wiener Aktionisten Hermann Nitsch, die australische Künstlerin Destiny Deacon und Rosemarie Trockel versteht. Das Thema der Gruppe ist:

"Home Sweet Home".

Spektakulär verspricht die erstmalige Präsentation einiger extra für die Ausstellung aufgesparter Neuankäufe zu werden: etwa der bemalte, zirka 15 Meter lange Abguss eines Walskeletts von Gabriel Orozco oder Paul McCarthys mechanisch zuckender Schweinekadaver.

Termin: 16. März bis 28. August. Katalog: zirka 59 Euro. Internet: www.sammlung-essl.at/