Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 89
Schmuck mit Fahrvergnügen
Von Joachim Hauschild
Die Neue Sammlung zeigt ausgefallene Schmuckkreationen des Niederländers MÜNCHEN: GIJS BAKKER
Eine Kanne aus dem Service "Maria" der Firma Rosenthal, umhäkelt mit blauem Garn: Das ist bis heute das spektakulärste Objekt des niederländischen Designers Gijs Bakker (Jahrgang 1942). "Knitted Maria" - beim zweiten Brand des Porzellans zersetzt sich das Häkelkleid und schlägt sich als Muster auf der Kanne nieder - sollte laut Bakkers die Erinnerung an eine (vermeintlich) gute alte Zeit vergegenwärtigen, in der die ganze Familie sich am heimischen Kaffeetisch traf.
Weit weniger mit Bedeutung aufgeladen sind die Schmuckstücke, die Gijs Bakker, Mitbegründer der Gruppe Droog Design entwirft, und die bei der Fangemeinde zeitgenössischen Künstlerschmucks rasch Anklang gefunden haben, zumal Bakker hier eingängige und witzige Begleitformeln findet. "I don't wear jewels, I drive them" ("Ich trage keine Juwelen, ich fahre sie") nannte er eine seiner Broschenserien und ironisierte damit die Liebe vieler Männer zu ihren Autos. In seinen "Holysport"-Broschen spielt er ebenso hintersinnig auf den religiösen Charakter der Fußballbegeisterung an.
Von 1958 bis 1962 studierte Giijs Bakker Gold- und Silberschmiedekunst am Amsterdamer Instituut voor Kunstnijverheid und begann Mitte der sechziger Jahre zusammen mit seiner Frau Emmy van Leersum (1930 bis 1984) neue Wege im Schmuck zu erarbeiten: von der Verwendung ungewöhnlicher Materialien wie Aluminium, PVC oder Blumen bis zu strenger Geometrisierung oder eng mit dem Körper des Trägers verbundenen Stücken, die für bestimmte Träger, etwa seine Frau, entworfen wurden.
Diese Schmuckarbeiten würdigt nun die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne, die für Schmuck einen eigenen Ausstellungsbereich hat. Die Retrospektive, die in Kooperation mit dem Stedelijk Museum's-Hertogenbosch entstand, bietet vielfältige Einblicke in das Werk von Gijs Bakker, das die herkömmlichen Grenzen zwischen so genannter freier und angewandter Kunst schlicht und einfach negiert. Termin: 10. März bis 20. Mai. Literatur: Arnoldsche Verlagsanstalt (Niederländisch/Englisch) 49,80 Euro.
Internet: www.pinakothek.de/pinakothek-der-moderne/
