Ausgabe: 03 / 2007
Seite: 88-89
Malen in der unberührten Natur
Von Petra Bosetti
Ausstellungstrilogie zur amerikanischen Kunst im Bucerius-Kunstforum HAMBURG: NEUE WELT
Als die Einwanderer aus der Alten Welt sich in Amerika etabliert und am 19. Oktober 1781 den endgültigen militärischen Sieg über England errungen hatten, feierte das Historienbild Triumphe. "Nationale Mythen schafften eine einende Identität, die über Historienbilder kommuniziert wurde", so der Kunsthistoriker und Ausstellungskurator Harald Klinke.
Etwa ab 1825 aber wendete sich das Blatt: Eine lockere Gruppe von Malern, die eine ausgeprägte Liebe zur wilden, unberührten Natur einte, ließ sich zum Teil dauerhaft am oberen Lauf des Hudson River und in den Catskill Hills in Neuengland nieder. Sie entwickelten ein künstlerisches Paralleluniversum zur pathetischen Historienmalerei, die freilich nicht so schnell zu besiegen war - das wohl prägnanteste Beispiel dafür, Emanuel Gott lieb Leutzes "George Washington überquert den Delaware", entstand erst 1851. Die Mitglieder der "Hudson River School" - ein etwas irreführender Begriff, da es sich nicht um eine Schule im herkömmlichen Sinne handelte - malten Bilder von exakter Naturbetrachtung, geradezu wissenschaftlicher Akribie und absoluter Wirklichkeitstreue.
Das Bucerius-Kunstforum in Hamburg geht diesem Phänomen im ersten Teil einer Ausstellungstrilogie nach, der den Titel "Neue Welt. Die Erfindung der amerikanischen Malerei" trägt. Gezeigt werden über 60 Gemälde aus der Sammlung des Wadsworth Atheneum Museum of Art (Hartford/Connecticut) unter anderem von Thomas Cole, Albert Bierstadt, Frederic E. Church, William Bradford.
Kuratorin ist Elizabeth Mankin Kornhauser vom Wadsworth Museum.
Teil zwei der Reihe wird sich vom 31.
Mai bis zum 31. August 2008 mit dem Thema "High Society. Amerikanische Porträts des Gilded Age" befassen. Mark Twain hatte den Begriff des "Goldenen Zeitalters" 1873 geprägt und spielte auf den Geldadel an, der sich gern auf repräsentativen Bildern darstellen ließ. Teil drei, "Urban Life. Edward Hopper und der amerikanische Realismus" widmet sich von Februar bis Mai 2009 Künstlern, die nach 1900 die Stadt als sozialen Brennpunkt entdeckten. Termine: 24. Februar bis 28. Mai. Danach: Staatsgalerie Stuttgart, 21. Juli bis 21. Oktober.
Katalog: Hirmer Verlag, 24,80 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro. Internet: www.buceriuskunstforum.de
