Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 120
Exzentrisch
Von T B
Franz Xaver Messerschmidt: der Analytiker des Gemüts
Zu jener Zeit, als das Schönheitsideal "edle Einfalt und stille Größe" hieß, war der deutsche Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (1736 bis 1783) ein Radikaler. Seine rund 60 Büsten mit Fratzen, Grimassen und Leidensmienen, die er von 1770 bis zu seinem Tod schuf, stellten die damals geforderte Idealisierung des Menschen grundsätzlich in Frage.
Entkleidet von jeglichen Insignien der Macht und Würde, beschreiben seine Köpfe gequälte Zu stände zwischen Realismus und Groteske.
Einfalt zeigte er als hässliche Offenbarung von Dummheit, das Profane des Lebens fing er in Bildnissen von Männern mit Verstopfung oder beim Gähnen ein. Bis heute ist sein Werk in der Kunstgeschichte singulär geblieben. Das Katalogbuch zur Ausstellung im Frankfurter Liebighaus, die dort noch bis 11. März zu sehen sein wird, beleuchtet umfangreich Leben und Werk dieses analytischen Exzentrikers. T. B.
Maraike Bückling (Hrsg.): Die phantastischen Köpfe des Franz Xaver Messerschmidt. Hirmer Verlag. 336 S., 320 Abb., 39,90 Euro
