Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Janet Grau, 42, amerikanische Künstlerin, die seit 1999 in Dresden lebt, hat der Stadt zu deren 800. Geburtstag einen öffentlichen Dachboden namens "Public Attic" geschenkt. Ihre Installation stellt eine künstlerische Reflexion über das Sammeln, das Aufbewahren und das Entsorgen dar - zu besichtigen ist sie bis zum Juli dieses Jahres. art: Wo befindet sich ihre kollektive Rumpelkammer und womit ist sie bestückt?
Grau: Passenderweise im ausgebauten Dachgeschoss des neu eröffneten Stadtmuseums.
Die Relikte stammen alle von etwa 30 Dresdner Dachböden, die ich selbst durchstöbert habe: Koffer, Kisten, Briefe, ein Wäscheständer, ein Fahrrad.
Trauern Sie damit den guten alten Zeiten nach?
Mir ist tatsächlich aufgefallen, dass die klassischen Dachböden verschwinden.
Aber eigentlich geht es um die Frage, von welchen Sachen wir uns nicht trennen können. Würden wir alles entsorgen, hätten wir weder Kultur noch Tradition. Behalten wir alles, so ersticken wir in Dingen.
Was für Szenen haben sich während Ihrer Sammelarbeit abgespielt?
Viele Leute kramten für mich gern in ihren privaten abgelegten Dingen und zeigten mir ihre Stücke. Aber es gab auch Tränen - wenn Erinnerungen noch sehr stark mit Trauer oder Scheitern verbunden waren.
Was ist Ihr liebstes Exponat?
Eine Kiste voll halbfertiger Stricksachen - nach der Wende 1989 war einfach die passende Wolle ausgegangen. Aber wegwerfen konnte die Frau die Sachen nicht.
