Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 64-65

"Wir wollen von Kunst keine Produktwerbung"

Von

Armaturenhersteller Andreas Dornbracht fördert Ausstellungen in Museen und auf der Biennale in Venedig. Dabei müssen Künstler keine Duschköpfe schwenken

Früher stand Dornbracht nur für funktionale Wasserhähne. Dank Mike Meirés cleverem Branding ist der deutsche Armaturenhersteller heute als mutiger Förderer der Künste im Gespräch - mit Ausstellungen in Berlin, New York und Venedig. art-Korrespondentin Sandra Danicke sprach mit Geschäftsführer Andreas Dornbracht über Sinn und Zweck des kulturellen Engagements. art: Herr Dornbracht, kann man mit Kunst Armaturen verkaufen?

Dornbracht: Nein, sicherlich nicht so direkt. Ich glaube aber, dass wir mit unserem Kulturengagement einiges erreichen: einerseits eine verstärkte Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Andererseits reichern wir durch die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Künstlern unsere eigene Unternehmenskultur an.

Können Sie das präzisieren?

Ich glaube, dass gerade die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, die ja oft dadurch gekennzeichnet ist, dass sie bestimmte Tabuthemen aufgreift, dazu führt, dass man eine tolerantere Sicht auf bestimmte Dinge oder Themen bekommt.

Das, was die Künstler bewegt, ist tatsächlich auch das, was die Gesellschaft bewegt - wenn auch manchmal nur unbewusst. Uns ist klar geworden, dass die Rituale, die den Körper betreffen, anscheinend einen unheimlich hohen zeitgenössischen Stellenwert haben, weil die Künstler sich damit sehr intensiv auseinander setzen. Und das hat uns tatsächlich auch in der Unternehmensstrategie befruchtet.

Wie kam es dazu, dass sich Dornbracht für Kunst engagiert?

Durch die Diskussion, die wir Mitte der neunziger Jahre mit Mike Meiré geführt haben, dessen Agentur uns damals schon betreut hat: Worüber definiert sich das Unternehmen in der Zukunft? Bis dahin hatte es sich erfolgreich über gutes Design differenziert, jetzt gingen immer mehr Firmen den Weg guten Designs. Die Antwort, auf die wir kamen war: Wir müssen uns kulturell betätigen. Daraufhin haben wir die Statements- Projekte begonnen, für die wir junge Künstler beauftragt haben, sich mit dem Themenkomplex Wasser, Reinigung und Rituale auseinander zu setzen.

Das erste Ergebnis war das Heft "Statements 01", in dem eine Fotografie von Jürgen Teller abgedruckt war: Er hatte eine junge Frau nackt mit Brausekopf in der Badewanne fotografiert. Zahlreiche Mitarbeiter waren schockiert. Wir haben die Hefte dann erst einmal weggeschlossen und ganz in Ruhe überlegt, was wir machen. Schließlich haben wir die Entscheidung getroffen, voll in die Offensive zu gehen. Damals stand die große Weltleit-Messe in Frankfurt am Main an, die wichtigste internationale Messe für die Sanitärbranche, und Mike Meiré hat den Vorschlag gemacht: Wir richten einen Kulturraum in unserem Messestand ein und stellen dort die Werke vor.

Da waren Sie sicher die Einzigen.

Natürlich. Wir sind bis heute die Einzigen, die Kulturprojekte vorstellen.

Und man muss sagen: Kritik gab es eigentlich immer nur sehr konstruktiv.

Die positiven Reaktionen haben enorm Mut gemacht, weiter zu gehen.

Nachfolgend haben wir dann zwei Entscheidungen getroffen. Erstens:

Wir wollen nicht mehr, dass die Künstler eines unserer Produkte nutzen.

Es sollte gar nicht erst der Verdacht entstehen, dass hier Kunst und Produktwerbung miteinander vermischt werden. Zweitens: Wir müssen die Werke mit einer Ausstellung bekannt machen.

Die haben ja mittlerweile an diversen Orten stattgefunden.

Ja. Es gab Ausstellungen in Köln, Hamburg, Berlin, New York, Paris und bei der Biennale in Venedig.

Wie kam es dann zu den Installation Projects im Kölnischen Kunstverein und im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main?

Udo Kittelmann war ja damals Leiter des Kölnischen Kunstvereins und hat uns geholfen, Kontakt zu Douglas Gordon für "Statements 03" zu knüpfen.

Gemeinsam haben wir dann später die Dornbracht Installation Projects ins Leben gerufen. Der Begriff Installation sollte damals eine künstliche Verbindung zum Unternehmen herstellen. Das sehen wir heute ganz anders.

Fördern Sie auch andere Schauen?

Natürlich. Gerade haben wir im P.S.1 in New York und den Berliner Kunst- Werken die Ausstellung "Into me/out of me" (siehe Seite 96) gefördert.

Die wird sehr kontrovers diskutiert.

Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, eine Ausstellung zu unterstützen, die rein etablierte Kunst aus dem 19. Jahrhundert zeigt.

Das fänden Sie langweilig?

Ja. Zum dem, was das Unternehmen selbst darstellt, nämlich Innovationsführer zu sein, sich auch mal über bestimmte Grenzen hinaus zu wagen, Risiken einzugehen, würde das auch nicht passen. Wir möchten Ausstellungen unterstützen, die etwas zur Fortentwicklung der künstlerischen Debatte beitragen.

Zum Beispiel mit Performances.

Richtig. Im April 2005 gab es in Mailand schon eine Tanzperformance.

Eine Musikperformance hat im September 2006 in Berlin stattgefunden.

Hat sich ein Künstler schon mal unwohl gefühlt, weil er mit seiner Arbeit für einen Armaturenhersteller wirbt? Überhaupt nicht. Im Gegenteil.

Wenn auch vielleicht am Anfang eine gewisse Portion Skepsis dabei war, haben wir doch bewiesen, wie sensibel wir mit Kunst umgehen und dass wir uns in den künstlerischen Prozess überhaupt nicht einschalten.

Internet: www.cultureprojects.com