Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 80-82

Der ironische Ton ist geblieben

Von Adrienne Braun

Drei Sammlungen vereint zu einer Retrospektive im Museum Frieder Burda BADEN-BADEN: SIGMAR POLKE

Auch Dürers Hasen hat es erwischt. Mit einfachem Gummiband hat Sigmar Polke dessen Konturen nachgezogen - Alte Meister sind dazu da, sie ironisch zu betrachten. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt nun eine Retrospektive Polkes (Jahrgang 1941), die nicht nur den Künstler, sondern auch drei Sammler würdigen will: den Hausherrn Frieder Burda, Josef Froehlich und Reiner Speck. Sie haben ihre Polke-Bestände zusammengeworfen, und Götz Adriani wird die rund 170 Gemälde und Papierarbeiten ordnen und hängen - weitgehend chronologisch von 1963 bis in die Gegenwart.

Polke habe in dieser Zeit die Techniken weiterentwickelt und seine "Stilmittel verdichtet", so Adriani. Treu ist er sich im ironischen Grundton geblieben, den er schon bei dem frühen Gemälde "Würstchen" (1964) anschlug, indem er elf Knackwürste frei arrangierte. In "Moderne Kunst" (1968) hat er ein großes "X", einen violetten Farbklecks, die Ziffer "4" und eine Spirale auf die Leinwand geklatscht - mehr braucht es nicht, um das Kunstpublikum zu verzücken, so seine Botschaft.

Adriani ist überzeugt, dass sich mit den drei Sammlungen alle Werkphasen angemessen aufzeigen lassen - angefangen bei den Stoffbildern, bei denen Polke bedruckte Textilien bemalt hat, über die Schüttbilder, bei denen er Farbe auf Stoff verlaufen ließ, bis hin zu den Lackbildern mit mehreren Schichten Siegellack. Im Katalog konzentriert sich Adriani weniger auf Polke, sondern er widmet sich in erster Linie den Sammlern und ihrem Verhältnis zum Künstler.

So berichtet Josef Froehlich, der im elterlichen Haus zwischen Hirschgeweihen aufwuchs, dass er zur Kunst kam, als er eine Wohnzimmerdekoration suchte.

Zu Polke entschloss er sich, nachdem Joseph Beuys über den Kollegen sagte:

"Nicht schlecht". Während sich Froehlichs Bestände auf die sechziger und siebziger Jahre beschränken, hat Frieder Burda die gesamte Entwicklung Polkes ver folgt.

Das Raster sei dabei zu Polkes "Markenzeichen" geworden, so Adriani, das "den Zweifel an der Aussagekraft von Bildern" ausdrücke.

Auch der spielerische Umgang mit der Kunstgeschichte zieht sich durch das Werk. So hat Polke in einem Gebetbuch Kaiser Maximilians gewildert und von den Randzeichnungen Albrecht Altdorfers das Detail einer Schleife herausgegriffen und zum Hauptmotiv gemacht.

Das "Sammlertriumvirat" halte Polke für "einen der wichtigsten Künstler", sagt Adriani. Wobei nur noch Frieder Burda neue Arbeiten ankauft. So kommt das jüngste Bild der Schau aus seinem Besitz.

Die "Menschenbrücke" (2005) zeigt vier Männer, deren Körper auf kuriose Weise eine Brücke bilden - und übrigens auch gerastert sind.

Temin: 3. Februar bis 13. Mai, danach Museum Moderner Kunst, Wien, 22. Juni bis 7. Oktober.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 28 Euro.

Internet: www.museum-frieder-burda.de

"Moderne Kunst" nannte Sigmar Polke lapidar sein Bild (150 x 125 cm) von 1968

Dem Raster bis heute treu geblieben - so auch in einer seiner jüngsten Arbeiten, dem Gemälde "Menschenbrücke" (Mischtechnik, 300 x 500 cm) aus dem Jahr 2005

"$-Bild" (1971, 120 x 150 cm), Arbeit mit Kreide und Dispersionsfarben auf Stoff