Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 116

Fast geschenkt

Von Claudia Bodin

USA: Neues Spendengesetz verärgert Museen und Sammler

Ob Guggenheim, MoMA oder Metropolitan, Amerikas Museen verdanken ihren Sammlungsreichtum zum großen Teil der Spendenfreudigkeit wohlhabender Mäzene. Diese Tradition sehen Museumsleiter jetzt in Gefahr, weil die Bush-Regierung die Abgabenordnung für Schenkungen ändern will.

Bislang konnte ein Spender dem Museum Kunstwerke nicht nur komplett, sondern auch auf Raten schenken. Im Gegenzug erhielt der Spender einen Steuernachlass.

In der Regel wurde das so genannte "Teilgeschenk" dem Museum irgendwann komplett vermacht. Doch die Schenkung zog sich nicht selten über Jahrzehnte hin. Solange blieb das Werk im Besitz des Sammlers, der durch den Wertzuwachs bei je der weiteren Schenkungsrate kräftig Steuern sparen konnte.

Dem soll durch das neue Gesetz nun ein Riegel vorgeschoben werden.

Danach müssen jetzt alle partiellen Schenkungen innerhalb von zehn Jahren ganz ins Museum überführt werden. Außerdem wird mit der ersten Rate auch der steuerliche Wert des Kunstwerks festgelegt.

Dadurch ginge den Sammlern ein wesentlicher Anreiz für Kunstspenden verloren, klagen nun Museumsvertreter.

"Die Neuerwerbungen der Museen bestehen zu 80 Prozent aus Schenkungen", schätzt Christopher Stevens vom Walker Art Center in Minneapolis.

Zehn Prozent davon machten teilweise Schenkungen aus. Oft seien dies aber die kunsthistorisch bedeutendsten und wertvollsten Arbeiten.

Allein im MoMA befinden sich 627 Werke, die einst als Teilgeschenke in die Sammlung kamen.

Dazu kommen noch Einmal 643 Stücke, die dem Museum derzeit in Raten gehören. Die neuen Regeln machten solche Teilschenkungen "fast unmöglich", meint MoMA-Chef Glenn D. Lowry.

Gemeinsam mit dem amerikanischen Museumsverband hofft er, den US-Kongress noch umzustimmen.

Ihr Argument: In Zeiten astronomischer Preise für Kunst sei die Schenkung auf Raten der einzige Weg, an wichtige Arbeiten heranzukommen. Ansonsten verschwänden bedeutende Kulturschätze hinter privaten Türen.