Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 8-9
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EINE ZAHL 1160 000 Euro - das ist der größte zu ermittelnde Ankaufsetat 2006 eines deutschen Museums gewesen, nämlich des Museums Ludwig in Köln. Fast alle anderen taten sich bei der art-Recherche schwer mit exakten Angaben. Es kann sich halt nicht jedes Haus mit solchen Zahlen brüsten wie das New Yorker Metropolitain Museum, das jährlich über umgerechnet rund 80 Millionen Euro verfügt ...
Kleider sammeln viele, Isabella Blow sammelt Designer. Und einer ihrer liebsten ist Hutmacher Philip Treacy. Als die britische Stilexpertin dem irischen Modestudenten 1989 erstmals begegnete, verliebte sie sich augenblicklich. Aber nicht in Treacy, sondern in dessen Krokodilzähne - eine Kopfbedeckung aus grünem Filz.
Welchen Einfluss "Issy" seitdem als Muse und Mäzenin auf Treacys tragbare Plastiken hat, zeigt die Ausstellung "When Philip Met Isabella" im Düsseldorfer NRW-Forum noch bis zum 9. April.
500 Euro gibt's derzeit bei Deutschlands beliebtestem Boulevardblatt für Freizeit-Paparazzi, ... ähem Leserreporter, die Bohlen, Beckenbauer & Co. beim Mittagessen oder Spaziergang knipsen. Wen es aber statt Barem nach Ruhm und Anerkennung dürstet, sollte das Projekt Close Up! der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin im Auge behalten.
16 junge Fotografen können während der Berlinale mit Sonderakkreditierung seriösen Fotojournalismus proben. Anschließend werden die Ergebnisse von einer Jury prämiert und öffentlich ausgestellt. Infos unter: www.co-berlin.com.
Beliebte Alternative für geheime Talente: www.myspace.com
EINE LISTE Die digitalsten Ausstellungstitel 2007 1. art_clips.ch.at.de Karlsruhe, ZKM - Medienmuseum 2. Bit.International Karlsruhe, ZKM - Medienmuseum 3. Mind Frames Karlsruhe, ZKM - Medienmuseum 4. Next Level Kunstverein Wolfsburg 5. Expanded Media Stuttgart, Württembergischer Kunstverein 6. On/Off Saarbrücken, Saarlandmuseum 7. com@home Frankfurt, Museum für Kommunikation 8. Future Systems Linz, Lentos-Kunstmuseum 9. iran.com Erfurt, Kunsthalle 10. pong.mythos Frankfurt, Museum für Kommunikation
Ob unheimlich wie Frankenstein, stark wieder Terminator oder lustig wie C3PO - Roboter beflügeln seit der Industrialisierung die menschliche Furcht und Fantasie. Was sich auf diesem Forschungsgebiet aktuell tut, kann man jetzt auf der Phaenomenale in Wolfsburg erleben. An drei Festival-Wochenenden gibt es im Phaeno und im Kunstverein Workshops, Performances und Konzerte. Alle Infos unter: www.phaenomenale.com
HAUSAUFGABE Exklusiv: Wolfgang-Tillmans-Bastelbogen zum Ausschneiden Am 16. Februar eröffnet in der Kestnergesellschaft Hannover die Aus stellung "Bali" mit rund 30 alten und neuen Werken des Fotokünstlers Wolfgang Tillmans. art-Leser können sich einen von zwei Räumen der Schau vorab ansehen und sogar zu Hause nachbauen:
Der Künstler hat uns seinen Hängeplan zur Verfügung gestellt und erzählt, wie er zustande kam:
"Als Erstes schaue ich mir die Räume an. Dann baue ich ein Modell im Maßstab 1:10 und stelle kleine Kopien meiner Bilder her. Im Atelier hänge ich dann quasi eine Miniatur-Ausstellung. Manchmal merke ich später vor Ort, dass eine Idee doch nicht funktioniert - wegen der Lichtverhältnisse, dem Fußboden oder der gesamten Raumwirkung. Dann muss ich umdenken. Das Modell-Layout ist sowieso eher eine Stimmungsskizze als ein Hängeplan. Aber mittlerweile kenne ich die Tücken der Übertragung in die Realität so gut, dass man die Schau auch getrost nach dem Modell hängen kann - falls ich mir ein Bein brechen sollte."
So sieht Macht aus: ein klarer, offener Blick, markante Wangenknochen, eine lange schmale Nase, leicht zusammengepresste Lippen. Dazu eine dezente Kappe mit einem aufwändigen Blumenmuster und ein Pelzkragenrock. Jakob Fugger II., genannt "der Reiche", wusste, was er wollte. Am Anfang des 16. Jahrhunderts besaß er das Kupfermonopol in Europa, handelte mit Gewürzen aus Indien und beeinflusste mit seinem Geld die Politik. Der Renaissance- Bildhauer Conrat Meit hat die Entschlossenheit des erfolgreichen Bankiers und Händlers beeindruckend realistisch in Holz geschnitten und farbig gefasst. Zu sehen ist die Büste von 1510/15 noch bis zum 18. März im Bayerischen Nationalmuseum in München. Die Ernst-von- Siemens-Kunststiftung ersteigerte sie gerade noch rechtzeitig zur Ausstellung im Stuttgarter Auktionshaus Nagel und stellte sie dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung.
Auf die Liebe scheint in Wien kein Verlass:
Die Zahl der Schmachtenden schwankt sekündlich, mal sind es 325 676, schwupps haben sich schon wieder einige Dutzend launisch entliebt und die Anzeige steht bei 325 648. So schnell kann das gehen. Der Kanadier Ken Lum, 50, spielt in seiner 130 Meter langen Installation Pi in der Westpassage am Karlsplatz mit statistischem Material.
Ständig aktualisiert erscheinen auf großen verspiegelten Flächen zum einen ernsthafte Zahlen wie die weltweiten Rüstungsausgaben oder HIV-Infizierungen pro Jahr. Zum anderen ironische, wie die besagte Anzahl der Verliebten oder die Summe der Schnitzel, die heuer bereits in Wien verspeist wurden.
MINI-SERIE - TEIL 1 Wo geht's hier bitte nach Meese?
Humorlos, kinderfeindlich und total unspannend: so könnte man sich den Job als Museumswärter vorstellen.
"Stimmt gar nicht", sagt Gesine Röhrig, 30, die jahrelang als Studentin in den Hamburger Deichtorhallen jobbte.
"Man kann herrlich beobachten - die Leute zum Beispiel." Hier ist ihre ganz persönliche Besucher-Typologie:
Hippie-Mädchen: tiefsinnige Oberstufen-Schülerin, die nichts mehr mit ihren kindischen Klassenkameraden anfangen kann. Trägt ein Ethnotuch um den Dreadlock-Turm, Sklavenperlenkette, Batikhemd und geht im Sommer gern barfuß. Liest im Museumscafé Jean-Paul Sartres "Geschlossene Gesellschaft" und raucht blaue Gauloises. Erscheint oft in Begleitung eines wild für sie und die ihr innewohnende Mystik schwärmenden schönen Jünglings.
Schöner Jüngling: schlaksig, lange Haare, 17 bis 25 Jahre.
Trägt Schlag-Cordhosen, T-Shirts und alte Turnschuhe.
Gibt den Schweizer Armeerucksack an der Garderobe ab und fragt, ob er sein Skizzenbuch mit rein nehmen darf.
Schlurft alle 20 Minuten ins Café, um mit dem Hippie-Mädchen über die Kunst, das Sein und das Jenseits zu philosophieren und zu rauchen: selbstverständlich Selbstgedrehte.
Alles über Schwätzer, Lehrer, Grapscher & Co. in den nächsten Heften
Bei der fünften Art Basel Miami Beach war wie gewohnt alles außer Rand und Band: der Geldadel, die Galeristen, die Guerillamessen - und ein riesiger Lippenstift. Der schlug aus und bockte, als eine nackte Schöne ihn lasziv zu zähmen suchte: Dita von Teese, US-Strip-Legende und Noch-Gattin von Marilyn Manson. Die Gäste der AIDS-Charity- Gala tobten. Zu sehen auf www.youtube.com unter "Our night with Dita"
Das ist ein Bauzaun. Mit integrierter Sitzbank. Wer sich darauf niederlassen soll? So genannte "Site-Spotter" zum Beispiel, die in ihrer Freizeit nichts lieber tun, als Bagger, Presslufthämmer und Dampfwalzen zu beobachten. Wer sich das ausgedacht hat? Ein junger Produktdesigner namens Andreas Bergmann, Jahrgang 1970, aus Berlin. Erster Einsatz der Zäune zum Sitzen: wahrscheinlich Mitte des Jahres in Duisburg.
Hut-Virtuose Philip Treacy in seinem New Yorker Atelier
Muse des Meisters: Isabella Blow unter Treacy-Kreationen
Funktioniert! Mit dem "Mignon Game Kit" des Kassler Künstlers Olaf Val kann man sich einen Gameboy basteln
Profi-Business: So funkelt und blitzt das Werk echter Paparazzi
Made in Germany: malender Roboter aus dem Karlsruher "Robotlab"
Wenn Sie das Layout ausschneiden und kleben, können Sie sich einen Raum der Schau vorab ansehen
Lum scheint beim Blick auf den Wiener Schnitzel-Verzehr seinen Augen nicht zu trauen
Einer der mächtigsten Männer der Renaissance: "Jakob Fugger der Reiche". Die beeindruckend realistische Holzbüste schuf Conrat Meit um 1510/1515
