Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 6

Political correctness

Von Peter Arlt

Prof. Dr.  Gotha

"Im Tumult der Episoden" - Werner Hofmann analysiert das neueste Bild des Malers Neo Rauch (11/2006)

Sich öffentlich in eine Analyse zu begeben erfordert Mut, doch fordert zugleich die Kritik heraus. Im Gegensatz zu Werner Hofmann glaube ich nicht, dass Rauch "die formale Eigenständigkeit des Bildes zugunsten eines Geschehens" vernachlässigt.

Vielmehr gelingt es Rauch, trotz der extrem gesteigerten Heterogenität der Bildstruktur alles im Bild in die Balance zu bringen, worin sich ein Höchstmaß des Vermögens zeigt, genau das zu leisten, was Werner Hofmann nicht sieht: die Eigenständigkeit des Bildes und dass es, bevor es eine Geschichte erzählt, eine "von Farben in einer bestimmten Anordnung bedeckte Fläche" ist (Maurice Denis). Der Deutung eines "Rätselbilds" Neo Rauchs durch Hofmann stehe ich ebenfalls skeptisch gegenüber. Vielleicht ist ja dort ein "Rückzug" jener Dienstmänner der "" und des Kunstbetriebs zu sehen, die im Aktenberg nichts gefunden haben und mit ihrem Brandstifterkarren hier abziehen müssen, während ihre Kumpane an einer Mauer "Überführte" erschießen.

Hilflos machte sie wohl die massenhafte Transformierung von Kunst zu "Heu", das in den Turm des Banksilos gepumpt wird. Doch vielleicht geht Rauchs einfallsreiches Neukodieren der widerspruchsvollen, tief gespaltenen, auseinander gerissenen, gewaltgeladenen ungleichartigen Gegenwartswelten auch hier andere Wege.

Prof. Dr. , Gotha