Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 112
Beuys-Freunde: Jute soll bleiben
Von Sandra Danicke
Sanierung: Streit um Darmstädter "Block Beuys"-Räume
Heftige Kritik muss sich die Direktorin des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt, Ina Busch, zur Zeit gefallen lassen. Im Rahmen einer Sanierung, für die das Haus zwischen Herbst 2007 und 2011 geschlossen werden soll, plant sie auch Veränderungen im so genannten "Block Beuys", einem Werkkomplex, in dem Joseph Beuys 1970 eigenhändig rund 280 Zeichnungen und Objekte in Vitrinen installiert hat. Wandbespannung und Bodenbelag hatte er vorgefunden. Die einst naturfarbene, mittlerweile braun nachgedunkelte Jute soll Wandputz und weißem Kalk weichen, der fleckige Teppichboden soll durch Estrich oder Parkett ersetzt werden. Zahlreiche Beuys- Anhänger kritisieren den Beschluss. Mit der Renovierung, so argumentieren sie, werde die Atmosphäre der Räume und die Authentizität zerstört.
Der Werkkomplex war zunächst als Dauerleihgabe des Sammlers Karl Ströher ins Museum gekommen und wurde 1989 von der hessischen Kulturstiftung und der Kulturstiftung der Länder erworben.
Noch 1984 soll sich Beuys ausdrücklich gegen eine Erneuerung ausgesprochen haben. Die Gegner der Sanierung sind denn auch der Auffassung, Jutetapete und Teppich seien mittlerweile zu einem Bestandteil des Werkes geworden. Der Künstler Johannes Stüttgen, ein Beuys-Freund und einstiger Schüler des Meisters, dagegen hält den "Block Beuys" im jetzigen Zu stand für "ein in sich vergammelndes Etwas". Auch die Witwe und die Kinder von Joseph Beuys stehen hinter Ina Buschs Sanierungsentscheidung.
