Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 113
Berliner Träume
Von Kito Nedo
Galerien: Ausländische Händler zieht es an die Spree
Berlin bleibt Magnet. Nicht nur internationale Künstler, Kuratoren und Sammler schätzen die bundesdeutsche Hauptstadt, auch immer mehr ausländische Galeristen verlieben sich in den ruppigen Charme der Stadt. So etwa das New Yorker Galeristen-Duo Robert Goff und Cassie Rosenthal, die erst vor rund zwei Jahren ihr Geschäft in Chelsea eröffnet und nun den Sprung nach Berlin gewagt haben.
In den 220 Quadratmeter großen Räumen in der Brunnenstraße zeigen sie neben ihrem internationalen Künstlerstamm auch deutsche Talente, wie etwa die Malerin Cornelia Renz. Dass die nächstgelegene U-Bahnstation "Rosenthaler Platz" heißt, finden die beiden und auch Geschäftsführerin Caroline Stummel großartig.
Sammler könnten sie so nicht verfehlen - gerade US-Kunden mit wenig Ortskenntnis gehen gern auf Entdeckungsreise.
Auch Javier Peres aus Los Angeles hat sich in Berlin-Kreuzberg einen lang gehegten Traum erfüllt. In einer ehemaligen Werkstatt für Metallverarbeitung präsentiert er seit gut einem Jahr auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche vor allem junge amerikanische Kunst - etwa den Bildhauer Terence Koh oder den Zeichner John Kleckner. Für sie will er in Berlin ein Feld für Experimente bereitstellen, und deshalb ist er auch nicht unglücklich über seine Kreuzberger Randlage: Dorthin kämen nämlich nur Leute, "die sich ernsthaft für die Kunst interessieren". Über günstige Lagen muss man mit Juerg Judin, Leiter der Zürcher und Berliner Filiale der Londoner Galerie "Haunch of Venison", nicht lange sprechen. In unmittelbarer Umgebung des "Hamburger Bahnhofs - Museum für Gegenwart" und des neuen Berliner Hauptbahnhofs hat Judin eine imposante ehemalige Montagehalle mit knapp 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche für Arbeiten seiner Künstler Bill Viola, Tobias Rehberger, Jorge Pardo aufgetan. Judin sieht den Berliner Standort, der noch nicht eröffnet ist, vor allem als Projektraum, in dem man ohne großen kommerziellen Druck Künstlern die Gelegenheit geben könne, aufwändige und raumbezogene Werke zu realisieren. Des halb sei der Berliner Ableger nicht so sehr als weitere Verkaufsgalerie geplant, sondern diene eher dem Marketing und der Kontaktpflege.
Internet: www.goffandrosenthal.com, www.peresprojects.com, www.haunchofvenison.com
