Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 114

Die dritte Frau

Von Hans Pietsch

Turner-Preis: Ehrung für die Deutsche Tomma Abts

Die britischen Buchmacher behielten Recht: Sie hatten auf Tomma Abts (art 12/2006) gesetzt, und sie gewann den Turner- Preis. Während einer vom Fernsehen übertragenen Feier in der Londoner Tate Britain überreichte ihr Künstlerkollegin Yoko Ono einen Scheck in Höhe von 25 000 Pfund (rund 37 000 Euro).

Die in Kiel geborene Künstlerin ist damit die erste Malerin und , die in der 22-jährigen Geschichte des Turner- Preises die begehrte Auszeichnung bekam.

Ungewöhnlich ist schon, dass ausgerechnet eine Malerin mit abstrakten, kontemplativen Bildern den Videokünstler Phil Collins, den Installationskünstler Mark Titchner und die Bildhauerin Rebecca Warren auf die Plätze verwies.

Als "faszinierende Bilder, die ihre Komplexität erst allmählich preisgeben", lobte die Jury die Gemälde im Format 48 mal 38 Zentimeter.

Sieht so die junge Kunst der nächsten Jahre aus? Wohl kaum. Tomma Abts ist ein Einzelfall, hoch geschätzt von der englischen Kritik. Adrian Searle vom "Guardian" lobte die "Ortlosigkeit" ihrer Kunst, und Tom Lubbock bescheinigte ihr im "Independent" "Charakter". In ihrer deutschen Heimat, die sie vor zwölf Jahren verließ, kam sie nicht überall so gut an. Nur triefenden Hohn hatte Kritiker Niklas Maak in der "Frankfurter All ge meinen Zeitung" für Abts Werke übrig: Sie ähnelten "Musterbeständen einer aufgelösten DDR-Tapetenfabrik".