Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 114

Nur noch minimale Reserven

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Interview: Agnes Husslein, neue Chefin des Wiener Belvedere

Agnes Husslein ist seit kurzem neue Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien. Mit art-Korrespondentin Almuth Spiegler sprach sie über ihre Pläne für die umfangreiche Sammlung. art: Sie werden die alte Dame Belvedere jetzt verstärkt in den Wettkampf mit aggressiven Konkurrenten wie der Albertina führen müssen. Was werden sie als Erstes ändern, um ihr Institut attraktiver zu präsentieren?

Husslein: Ich werden den Sonderausstellungsbetrieb bis Oktober dieses Jahres räumlich vom Oberen ins Untere Belvedere verlagern.

Die feste Schausammlung, beginnend mit dem Mittelalter, wird dann im Oberen Belvedere zusammengeführt.

Wie wollen sie die Leidensgeschichte des verfallenden "20er Hauses" beenden, in dem ihr Vorgänger Gerbert Frodl die Sammlungsbestände nach 1918 zeigen wollte?

Ich bin sehr glücklich, dass es mir jetzt wenigstens endlich gelungen ist, das Wirtschaftsministerium zu einem definitiven Planungsauftrag zu bewegen. Dann erst können wir die tatsächlichen Kosten für eine Sanierung und einen entsprechenden Umbau des "20er Hauses" eruieren.

Gerbert Frodl scheint mit seinem Abschiedsauftritt die bisher zwischen ihnen herrschende Harmonie gestört zu haben. Ihrer Reaktion nach zu urteilen stehen sie finanziell nicht so abgesichert da, wie er betonte.

Ich bin alles andere als zufrieden mit der finanziellen Lage! Unsere jährlichen Bundeszuschüsse von 4,5 Millionen Euro müssen dringend verdoppelt werden. 5,2 Millionen Euro verschlingen alleine schon die Gehälter. Und die Reserven sind, anders als Gerbert Frodl sagte, auf ein Minimum geschrumpft.

Die spektakulärsten Restitutionen des Museums scheinen mit den fünf Gemälden von Gustav Klimt erledigt zu sein. Wie wird das heikle Thema Raubkunst unter ihrer Leitung weiterhin behandelt wer den?

Das Wichtigste für mich ist, Transparenz zu schaffen. Und zwar in alle Richtungen. Bis jetzt ist das zu wenig passiert. Provenienzforschungen müssen von unserer Seite früher und aktiver betrieben werden.

Internet: www.belvedere.at/