Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 97

Privatsache

Von Manfred Schwarz

LEVERKUSEN: PERSONAL AFFAIRS

Eine Ausstellung in Schloss Morsbroich sucht nach neuen Formen der Intimität. Es war die verzehrende Suche nach Intimität, die einst einen einsamen Thronfolger dazu trieb, sich in die Gestalt eines Tampons zu wünschen. Und die Welt ergötzte sich an diesem höchstvertraulichen Wunsch, der - mitgeschnitten am Telefon - wochenlang in aller Öffentlichkeit diskutiert wurde. Selbstentäußerung und -entblößung, die angestammten Vorrechte der Künstler und Literaten, werden heute in jeder Mittagstalkshow serviert. Wie aber verhalten sich die Künstler angesichts dieses allgegenwärtigen Terrainverlusts?

Markus Heinzelmann, der neue Direktor des Museum Morsbroich, hat diese Frage in den Mittelpunkt seiner ersten Schau gestellt. "Personal Affairs" versammelt rund zwei Dutzend Arbeiten namhafter Künstler - von Nan Goldin über Wolfgang Tillmans bis zu Douglas Gordon und Tobias Rehberger - um einem neuen Umgang mit Intimem und Persönlichem in der aktuellen Kunst nachzuspüren. Doch so sehr man auch die Fragestellung begrüßen und die Qualität der Werke bestaunen mag, ein überzeugendes Gesamttableau lässt sich nur schwerlich erkennen; allenfalls eine Pointe gibt diese Bestandsaufnahme her: Voyeurismus und Exhibitionismus, die natürlich miteinander paktierenden Leidenschaften unserer Zeit, werden höchstens wohltemperiert dargeboten.

Ohnehin sind es weniger neue Formen der Intimität, die sich hier entdecken lassen, als subtile oder lakonische Reflexionen über persönliche Geschichte.

Bei Michael Schrattenthalers grandiosem "Jugendzimmer" (2001) lösen sich die Konturen im Nebel der Erinnerung auf. Und in den leergeräumten Wohnungen des für den Braunkohle-Tage bau geräumten Orts Etzweiler, die Laurenz Berges fotografierte, zeugen nur noch die Flecken auf der Tapete von versunkenen Welten. Nicht Intimes ist hier das Thema, sondern die Erinnerung und ihr Verlöschen. So ist das auch bei den Slips, die Tracey Emin zu erotischen Abenteuern getragen und dann aufbewahrt hat; sie sind in einer Kiste versammelt. "All The Loving" heißt die Arbeit, die sogar einen liebes tollen Prinzen kurieren würde.

Von mancher Leidenschaft, so lautet die bittere Wahrheit, bleibt nicht mehr zurück als ein verblassender Fleck auf dem Höschen.

Termin: bis 18. Februar. Katalog: DuMont Verlag, 20 Euro. Internet: www.museum-morsbroich.de