Ausgabe: 02 / 2007
Seite: 109

Geraubt - aber wem?

Von Kerstin Schweighfer

Beutekunst: Eine Ausstellung in der Hollandsche Schouwburg in Den Haag

Während des Zweiten Weltkriegs thronte er im Den Haager Arbeitszimmer von Arthur Seyss-Inquart, Hitlers Reichskommissar in den besetzten Niederlanden: ein Frauenkopf aus Bronze der Schweizer Bildhauerin Dora Neher (1879 bis 1972).

Er stammt aus jüdischem Besitz, doch die rechtmäßigen Eigentümer konnten bis heute nicht gefunden werden.

"" lautet denn auch der Titel einer Ausstellung in Amsterdam, auf der die Plastik bis zum 25. Februar zu sehen ist. Zusammen mit 50 von insgesamt 4800 Kunstobjekten, deren Herkunft ungeklärt ist und die sich seit Kriegsende im Besitz der Regierung befinden. Ausstellungsort ist die Hollandsche Schouwburg: Während der deutschen Besatzungszeit wurden in dem ehemaligen Theater Zehntau sende von Juden zusammengetrieben, um dann von hier in das Durchgangslager Westerbork abtransportiert zu werden.

"Einen geeigneteren Ort für die se Ausstellung kann man sich nicht vor stellen", sagt Rudi Ekkart, Direktor der Sonderkommission "Herkunft ungeklärt". Im Auftrag des niederländischen Kultusministeriums versucht er seit 1998, doch noch die rechtmäßigen Eigentümer der 4800 Kunstobjekte zu finden. Alle Objekte können auch im Internet betrachtet werden. Ekkart hofft, dass sich Erben melden oder wenigstens Menschen mit neuen Informationen:

"Alles, was uns weiterhelfen kann, ist willkommen." Wer Ansprüche auf NS-Raubkunst erheben will, hat es seit 2001 in den Niederlanden leichter: Denn damals wurde eine neue Rückgabepolitik ein geläutet, an der Ekkart maßgeblich beteiligt war. Gemäß der neuen Richtlinie wird nun auch aufgrund moralischer Argumente entschieden; ausschlaggebend ist nicht länger das Recht, sondern die Gerechtigkeit. Seit 2001 hat die Regierung 20 Restitutionsanträge bewilligt und rund 450 Kunstgegenstände zu rückgegeben.

Bis zum 4. April dieses Jahres nun sollten beim Kultusministerium in Den Haag möglichst alle weiteren Rückgabeforderungen eingereicht werden, denn danach wird die Sonderkommission zwar nicht völlig auf gelöst, aber auf eine Stelle reduziert. Deshalb macht die niederländische Regierung seit Monaten weltweit in allen wichtigen Zeitungen in Anzeigen auf die Frist aufmerksam. Allerdings handele es sich aber eher um ein symbolisches Datum, betont Ekkart:

"Wer mit neuen Tatsachen kommt, kann darauf vertrauen, dass sein Fall behandelt wird. Wir sind kein Postamt, das ab 4. April alle Schalter schließt."

Internet: www.hollandscheschouwburg.nl, www.herkomstgezocht.nl

KERSTIN SCHWEIGHÖFER