Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 89
Dubioser Dialog der Formen
Von Heinz Peter Schwerfel
PARIS: DESIGN GEGEN DESIGN
Das Grand Palais bürstet gegen den Strich und kreuzt Designobjekte mit Kunstwerken. Offensichtlich fällt es Kunst- und Designgeschichtlern schwer, Ausstellungen nach der Prämisse guten Designs zu gestalten - dem Entwerfen von alltagstauglichen Objekten, die funktionell den Ansprüchen ihrer Epoche genügen, formal aber ihrer Zeit voraus sind. Geglückte Designausstellungen zeigen Objekte im Kontext ihrer Epoche, ihrer Erfinder, ihrer Benutzer oder erklären sie zu Zeitzeugen eines Zeitalters.
Designprodukte sind eben keine autonomen Kunstwerke - selbst wenn sie längst vom spekulativen Hype des Kunstbetriebs erfasst worden sind.
Unter dem provokativen Titel "Design gegen Design" soll im Pariser Grand Palais jedoch gegen den Strich gebürstet und Designgeschichte als historische Kette seelenverwandter Kunstwerke vorgeführt werden. Jean-Louis Gaillemin, Kurator der Schau und Kunstgeschichtsprofessor an der Sorbonne, hat dazu Werke der Designgeschichte von der industriellen Revolution bis heute in einen Dialog gezwungen. Er paart Sitzmöbel von Josef Hoffmann aus den Wiener Werkstätten mit einem Entwurf des Minimal-Art-Künstlers Sol LeWitt, stellt Marcel Breuers Bauhaus-Klassiker "Wassily" zur Sitzbank "Iceberg" der Architektin Zaha Hadid, die Wohnlandschaften Verner Pantons von 1970 neben die zeitgenössische Hausskulptur "Womb House" des Ateliers van Lieshout. Musikbeschallung von Rimski-Korsakow bis Stevie Wonder soll den entsprechenden Zeitgeist aufrufen. Das Publikum strömt in Scharen - doch als Designausstellung scheitert das Ganze kläglich.
Schöne und zum Teil rare Objekte werden in theatralischer Inszenierung gezeigt, wie zweitklassige Skulpturen besetzen sie ihre durch Schranken und Fotografierverbote abgeschotteten Plätze.
Die Annäherungen der rund 200 Exponate quer durch Epochen, Länder und Bewegungen scheinen überwiegend willkürlich, die Einteilung in drei Kapitel - Form, Kontext und Architektur - bleibt unklar. Auch Sinn und Zweck des Ganzen bleiben dubios: Laut Credo des Kurators soll bewiesen werden, dass es so etwas wie Moderne oder eine Suche nach der perfekten Form nie gegeben hat.
Termin: bis 7. Januar 2008. Katalog: 59 Euro.
Internet: www.rmn.fr
Buntes Nebeneinander: Sessel von Ron Arad (1981, links), Stuhl von Maarten Baas (2005)
