Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 90

Der Geist Asiens

Von Barbara Hein

WOLFSBURG: JAPAN UND DER WESTEN

Fernöstliches Kunsthandwerk wird Kunst der westlichen Moderne gegenüber gestellt. Das ist mutig, denn die Objekte haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Für die Schau im Kunstmuseum ausschlaggebend war die Idee, dass sich das in Japan seit dem 12. Jahrhundert in Zen-Philosophie und Gestaltung bestimmende Prinzip der "erfüllten Leere" in der westlichen Ästhetik des Minimalismus und der Abstraktion - unbewusst - widerspiegelt. Doch während in Japan das Streben nach Transzendenz zur Leere führte, war es in Europa und den USA eher der Wunsch nach Verabsolutierung von Farbe, Form und Material. Die Entwicklungen spielen in Wolfsburg eine untergeordnete Rolle. Ausstellungsmacher Markus Brüderlin geht es wie schon 2001 in der Schau "Ornament und Abstraktion" in der Fondation Beyeler um eine "Weltkunst" im "Dialog der Kulturen".

Um einer solchen nachzuspüren, hat er den großen Ausstellungsraum in 20 White Cubes unterteilt und dort je zwei bis drei Artefakte aus den verschiedenen Kulturräumen arrangiert. Und tatsächlich entfalten manche Paare beeindrucken de Wirkung: Ad Reinhardts Gemälde "Black on Black" (1953) harmoniert wunderbar mit einer etwa 150 Jahre alten schwarz und rot glasierten Teeschale. Auch der ungestüme Schwung von Alberto Giacomettis Bronze "Elie Lotar III" (1965) findet sich in Yu-ichis Action-Kalligrafie "Yume - Traum" von 1966. Geschmäcklerisch wird es, wenn die Beziehung der Objekte allzu aufgezwungen wirkt - wie bei einem weißen Kimono und Robert Rymans pastos-weißer Leinwand ohne Titel von 1960. Auch eine Klinge neben Barnett Newmans "The Gate" (1954) ist bemüht, so als dürften Kimono und Schwert im Japan-Kontext nicht fehlen.

Der dauerhaft geschaffene Zen-Garten wirkt eher implantiert als meditativ.

Trotz des didaktischen Grundtons entfaltet die Ausstellung eine sinnliche Atmosphäre. Die 20 Kuben sorgen dafür, dass die interkulturellen Paare ihre Wirkung entfalten können. Schade ist, dass die Schau nicht über etablierte Moderne und Kunsthandwerk hinausgeht. Denn Wohnarchitektur, Möbel, Produkt- und Grafikdesign der Gegenwart wären auch ergiebige Quellen gewesen, um dem Geist Japans im Westen nachzuspüren.

Termin: bis 13. Januar 2008. Katalog: DuMont Verlag, 36 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Internet: www.kunstmuseum-wolfsburg.de

Performance "Ha-Na Ichirin - eine Blume" von Akio Suzuki (im Hintergrund) und Junko Wada