Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 74-76

Paradies im Aufruhr

Von Katherina Koester

Mit Gartendarstellungen in der Kunst seit 1900 präsentiert sich die wieder eröffnete Kunsthalle in neuer Blüte EMDEN: GARTEN EDEN

Einst war er eine Notwendigkeit, dem heutigen Großstädter gilt er hingegen als Luxus: ein Garten. Während Dürreperioden die Menschen zwangen, Nutzgärten anzulegen, wird ein grüner Daumen im 21. Jahrhundert beinahe als revolutionäres Symbol angesehen. Rechtzeitig zu Klimawandel- und Emissionsdiskussionen thematisiert die Kunsthalle in Emden mit Gartendarstellungen von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart unseren Umgang mit Lebensräumen und Ressourcen.

Nach mehr als anderthalb Jahren Umbau steht das Museum selbst in neuer Blüte: Im erweiterten gläsernen Foyer empfängt den Besucher mit Luzia Simons "Stockage 45"(2006) eine mit dem Scanner eingefangene Tulpenpracht. Der Innenhof der Kunsthalle hat ein Dach bekommen, der Museumsvorplatz einen Bootsanleger und eine Brücke zur Innenstadt.

Die Terrasse des Museumscafés wurde vergrößert, die Klimatechnik modernisiert.

Rund 200 Arbeiten von 100 internationalen Künstlern sind in der Ausstellung zu sehen, aufgeteilt nach acht Themen. Unterschiedliche Epochen und Strömungen treffen ebenso aufeinander wie verschiedene Medien. So hängt im Bereich "Locus amoenus" ein "lieblicher Ort" von Claude Monet einer idealisierten Naturlandschaft des Schweizer Fotografen Thomas Flechtner gegenüber.

Max Liebermann und Pierre Bonnard treffen auf junge Künstler wie Silke Otto- Knapp und Luis Vidal. Thomas Struth, Cecily Brown oder der finnische Fotograf Ilkka Halso, der für seine Serie "Restauration" Museumssituationen in der Landschaft konstruiert hat, führen im Kapitel "Vom Dschungel zum Paradies" vor, dass moderne Vorstellungen vom Paradies als wilder Natur keinen Widerspruch zum idyllischen Garten Eden bilden.

Das Schweizer Künstlerpaar Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger hat für die Abteilung "Der Gärtner" einen begehbaren Schuppen gebaut und mit Gartengeräten gefüllt, aus Gießkannen und Handschuhen wachsen dort künstliche Pflanzen. Scott McFarland stilisiert Szenen der Gartengestaltung, Izima Kaoru inszeniert Gärten als Tatorte. In der Abteilung "Zaubergarten" zeigt Anna Kling Aufnahmen von efeuüberwucherten Ruinen, die vor dunklem Grund algen überzogenen Schiffwracks ähneln.

Peter Fischli und David Weiss schließlich blenden in Diaprojektionen Sommerblumen zu geheimnisvollen Gewächsen ineinander über. Das Fazit der beiden lautet: "Eigentlich gibt es nichts Platteres als Blumenbilder - aber auch nichts Schöneres als einen blühenden Garten."

Termin: 2. Dezember bis 30. März 2008.

Katalog: DuMont Verlag, 35 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro. Internet: www.kunsthalle-emden.de

Fritz von Uhde: "Drei Mädchen im Garten" (1907, 51 x 69 cm)

Giovanni Castell hat Hamburgs Planten un Blomen zu stiller Stunde fotografiert:

"Nachtfackel" (2004)

Die Schönheit, die Mode und der Tod: Izima Kaorus "Itaya Yoka trägt Comme des Garçons" (2002)